Großbritannien verbietet Rauchen für alle nach 2008 Geborenen
Wien, 21. April 2026 — Das britische Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, das in die Geschichte eingehen wird. Der Tobacco and Vapes Bill hat beide Kammern passiert. Nur noch die königliche Unterschrift fehlt, dann ist es amtlich: Niemand, der nach dem 1. Januar 2009 geboren wurde, wird in Großbritannien jemals legal Zigaretten kaufen dürfen. Das Mindestalter für den Tabakkauf wird Jahr für Jahr ansteigen – theoretisch bis in alle Ewigkeit.
Ein Verbot, das mitwächst
Die Mechanik des Gesetzes ist so simpel wie radikal. Derzeit liegt das Mindestalter für den Tabakkauf bei 18 Jahren. Ab Inkrafttreten steigt diese Grenze jährlich um ein Jahr. Ein heute 16-Jähriger wird also mit 18 keine Zigaretten kaufen dürfen – und auch nicht mit 30, 50 oder 80. Die sogenannte „smoke-free generation“ soll entstehen, eine ganze Alterskohorte, die niemals legalen Zugang zu Tabakprodukten erhält.
Premierminister Keir Starmer von der Labour-Partei hatte das Vorhaben zu einer seiner Prioritäten erklärt. Bereits unter seinem konservativen Vorgänger Rishi Sunak war der Entwurf eingebracht, dann aber durch vorgezogene Neuwahlen gestoppt worden. Starmer griff die Idee auf und setzte sie durch. Der National Health Service, Großbritanniens chronisch überlastetes Gesundheitssystem, soll langfristig entlastet werden. Die Kosten durch Tabakkonsum werden auf über 17 Milliarden Pfund jährlich geschätzt.
Lob von der WHO, Skepsis aus Wien
Die Weltgesundheitsorganisation begrüßte das britische Gesetz als „mutigen Schritt“ und „Vorbild für andere Nationen“. In Brüssel wird bereits diskutiert, ob ähnliche Maßnahmen auf EU-Ebene denkbar wären. Doch die Reaktionen in den Mitgliedsstaaten fallen gemischt aus.
In Österreich zeigt man sich zurückhaltend. Das Gesundheitsministerium verwies auf Anfrage auf bestehende Maßnahmen wie das Rauchverbot in der Gastronomie und Aufklärungskampagnen. Ein Generationenverbot sei „derzeit kein Thema“. Auch die Wirtschaftskammer warnte vor „prohibitionsartigen Eingriffen“, die den Schwarzmarkt befeuern könnten. Die Tabakindustrie, in Österreich nach wie vor ein relevanter Wirtschaftsfaktor, hält sich mit öffentlichen Statements auffällig zurück.
Zwischen Freiheit und Fürsorge
Die Kritik am britischen Modell kommt von zwei Seiten. Libertäre Stimmen sehen einen Eingriff in die persönliche Entscheidungsfreiheit. Der konservative Abgeordnete und Ex-Premierminister Boris Johnson stimmte gegen das Gesetz und sprach von „Nanny State“ auf Steroiden. Auf der anderen Seite warnen Suchtexperten, dass ein Kaufverbot ohne begleitende Maßnahmen den illegalen Handel ankurbeln werde. Schmugglerware aus Osteuropa ist schon heute ein Problem auf der Insel.
Befürworter halten dagegen: Rauchen sei keine freie Entscheidung, sondern eine Sucht, die meist im Jugendalter beginne. Wer nie anfange, müsse auch nie aufhören. Die Zahlen geben ihnen teilweise recht. In Neuseeland, das ein ähnliches Modell plante, dann aber wieder verwarf, sank die Raucherquote unter Jugendlichen auch ohne das Gesetz auf historische Tiefstände.
The Two Sides of Power
Großbritannien testet ein Gesellschaftsexperiment mit offenem Ausgang. Auf der einen Seite steht der Staat, der seine Bürger vor sich selbst schützen will – und damit vor allem sein Gesundheitssystem. Auf der anderen Seite steht das Prinzip der Eigenverantwortung, das in liberalen Demokratien als hohes Gut gilt. Ob das britische Modell Schule macht oder als Überregulierung scheitert, wird Europa genau beobachten. Österreich wird sich positionieren müssen. YANUS verfolgt dieses Thema weiter.