Chinas Soft-Power-Offensive: Europa zwischen Washington und Peking
Die geopolitische Landkarte Europas verschiebt sich. Eine im Juni veröffentlichte Umfrage des britischen Forschungsinstituts Public First in 24 EU-Mitgliedsstaaten offenbart eine bemerkenswerte Spaltung:
Acht Länder bevorzugen engere Beziehungen zu China, neun tendieren zu den USA, sieben sind unentschieden. Für Peking ist dieses Ergebnis ein Teilerfolg jahrelanger diplomatischer Bemühungen.

Pekings Strategie der sanften Macht
China investiert seit Jahren massiv in sein internationales Image. Die Volksrepublik positioniert sich gezielt als stabiler, verlässlicher Langzeitpartner – ein Narrativ, das angesichts der politischen Turbulenzen in Washington zunehmend Resonanz findet. Kulturinstitute, Medienkooperationen und Bildungsprogramme flankieren die wirtschaftliche Expansion der Belt-and-Road-Initiative.
Allein in Europa betreibt China über 200 Konfuzius-Institute, davon drei in Österreich. Gleichzeitig haben chinesische Staatsmedien ihre deutschsprachigen Angebote deutlich ausgebaut. Die Botschaft ist konsistent: China sei ein berechenbarer Partner, während die US-Außenpolitik von Wahlzyklus zu Wahlzyklus schwanke.
Wirtschaftliche Verflechtung
Die europäische Ambivalenz wurzelt nicht zuletzt in handfesten ökonomischen Interessen. China ist nach den USA der zweitgrößte Handelspartner der EU mit einem Warenverkehr von über 700 Milliarden Euro jährlich.
Deutsche Automobilkonzerne, französische Luxusmarken und italienische Maschinenbauer sind tief in den chinesischen Markt integriert. Doch diese Verflechtung schafft auch Abhängigkeiten, die Peking bei Bedarf politisch instrumentalisieren kann – wie Litauen erfuhr, als es 2021 eine taiwanesische Vertretung zuließ und prompt mit Handelsrestriktionen konfrontiert wurde.
What that means for Austria
Für die Alpenrepublik ist die Gemengelage besonders komplex. Als neutraler Staat mit starker Exportwirtschaft pflegt Wien traditionell pragmatische Beziehungen zu beiden Seiten. Chinesische Investoren halten Beteiligungen an österreichischen Unternehmen, der Flughafen Wien verzeichnete vor der Pandemie steigende Passagierzahlen aus China. Gleichzeitig ist Österreich über EU und NATO-Partnerschaft für den Frieden eng mit dem transatlantischen Sicherheitsnetz verwoben.
Die Umfrageergebnisse zeigen, dass diese Balance kein österreichisches Unikum ist, sondern ein gesamteuropäisches Phänomen. Heimische Unternehmen sollten diese Entwicklung genau beobachten: Wer auf beiden Märkten erfolgreich sein will, muss künftig noch geschickter navigieren. Der Handlungsspielraum zwischen den Blöcken schrumpft – und die Kosten einer falschen Positionierung steigen.
Die gespaltene EU-Meinung ist kein abstraktes Phänomen, sondern betrifft konkrete politische Entscheidungen in Brüssel – von Investitionsschutzabkommen bis zu Technologie-Exportkontrollen. Österreichische Firmen mit China-Geschäft, von Voestalpine bis zu KMU-Zulieferern, werden diese Entwicklungen in ihren Bilanzen spüren.
Die drei österreichischen Konfuzius-Institute in Wien, Graz und Salzburg zählten 2024 zusammen rund 4.500 eingeschriebene Sprachschüler.
Source: China – South China Morning Post | Original Article