Hegseth's Double Strategy: The Strait and the Great War
Wien, 05. May 2026 – US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat am Wochenende eine bemerkenswerte semantische Unterscheidung getroffen. Die Operation Project Freedom, mit der Washington die Strasse von Hormuz wieder oeffnen will, sei separat und grundverschieden vom laufenden Krieg gegen den Iran. Eine Aussage, die in europaeischen Hauptstaedten fuer Kopfschuetteln sorgt.

Die Logik des Pentagons
Hegseth begruendete die Trennung mit operativen Notwendigkeiten. Die Sicherung der Meerenge diene ausschliesslich dem freien Welthandel und der Energieversorgung verbundeter Nationen. Dies sei keine Eskalation, sondern eine maritime Polizeiaktion. Das Pentagon spricht von einer begrenzten Mission mit klaren Zielen. Kritiker sehen darin den Versuch, den Kongress zu umgehen und gleichzeitig das europaeische Buendnis bei der Stange zu halten. Denn fuer eine reine Sicherungsoperation laesst sich leichter internationale Unterstuetzung gewinnen als fuer einen ausgewachsenen Regime-Change-Krieg.
Europas unbequeme Position
Fuer die EU-Staaten schafft diese Unterscheidung ein politisches Minenfeld. Mehrere Regierungen, darunter auch Wien, haben sich bisher geweigert, den Iran-Krieg offen zu unterstuetzen. Eine humanitaere Sicherungsmission fuer die Oelversorgung klingt da deutlich verdaulicher. Paris und Berlin sollen bereits Signale nach Washington gesendet haben, dass eine begrenzte Marinebeteiligung an Project Freedom denkbar waere. Oesterreichs Aussenministerium gab sich zurueckhaltend. Man pruefe die rechtlichen Grundlagen einer solchen Operation. Die Neutralitaetsfrage stellt sich hier weniger scharf als bei direkter Kriegsbeteiligung.
Die Realitaet am Golf
Am Boden und auf dem Wasser sieht die Lage anders aus. Iranische Revolutionsgarden haben die Meerenge seit Wochen vermint. Drohnenangriffe auf Tanker gehoeren zum Alltag. Jede Raeumungsaktion wird auf bewaffneten Widerstand treffen. Die semantische Trennung von Hegseth ist reine Rhetorik. Wer die Hormuz-Strasse gegen den Willen Teherans oeffnet, fuehrt Krieg gegen den Iran. Militaeranalysten schaetzen, dass Project Freedom mindestens 15.000 Soldaten und massive Luftunterstuetzung erfordert. Das ist keine Polizeiaktion, das ist eine Invasion des iranischen Hoheitsgebiets.
The Two Sides of Power
Hegseths Unterscheidung offenbart das grundlegende Dilemma amerikanischer Kriegsfuehrung im 21. Jahrhundert. Man braucht internationale Legitimation und Buendnispartner, will aber gleichzeitig unilateral handeln. Also erfindet man Kategorien. Die Hormuz-Operation ist Krieg, der Iran-Krieg ist auch Krieg, aber offiziell sind es zwei verschiedene Dinge. Europa sollte sich von solchen Wortspielen nicht blenden lassen. Wer mitmacht, ist Kriegspartei. Wer das nicht will, muss das jetzt klar aussprechen. Die Zeit der diplomatischen Graubereiche ist vorbei.
*YANUS beobachtet die Entwicklung weiter.*
Quelle: POLITICO | Original Article