China räumt auf: Millionen-Account nach Skandal gesperrt
Wien, 29. April 2026 – Die chinesische Videoplattform Douyin hat einen Account mit über elf Millionen Followern dauerhaft gesperrt. Der Kanal @Yebali – übersetzt Nachtparis – hatte junge Frauen in gefährliche Situationen gebracht, darunter Aufenthalte in Becken mit Krokodilen und Unterwasser-Challenges. Die Sperre zeigt: Chinas Tech-Giganten setzen zunehmend auf Selbstregulierung.
Douyin setzt klare Grenzen
Der gesperrte Account war fünf Jahre lang aktiv und richtete sich primär an ein jugendliches Publikum. Die Betreiber hatten Livestreamerinnen zu riskanten Stunts gedrängt. Nach Recherchen des Nachrichtenportals Jiupai News reagierte Douyin mit einer permanenten Sperre. Die Plattform, die international als TikTok bekannt ist, verschärft seit Monaten ihre Richtlinien. Bereits 2024 führte Douyin strenge Zeitlimits für minderjährige Nutzer ein. Kinder unter 14 Jahren dürfen die App maximal 40 Minuten täglich nutzen. Zwischen 22 und 6 Uhr ist der Zugang komplett gesperrt.
Boomende Livestream-Wirtschaft unter Beobachtung
Chinas Livestream-Markt ist ein Wirtschaftsfaktor mit enormem Potenzial. Analysten schätzen das Volumen für 2026 auf über 700 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 90 Milliarden Euro. Millionen junger Chinesinnen und Chinesen verdienen als Influencer ihren Lebensunterhalt. Die Branche schafft Arbeitsplätze und treibt den digitalen Konsum an. Gleichzeitig wächst der Druck auf Plattformbetreiber, Inhalte strenger zu kontrollieren. Die Regierung in Peking hat klare Erwartungen formuliert: Jugendschutz und gesellschaftliche Verantwortung stehen im Vordergrund. Für österreichische Unternehmen, die den chinesischen Markt bearbeiten, ist diese Entwicklung relevant. Red Bull etwa nutzt Douyin intensiv für Marketingkampagnen. Auch Swarovski und andere heimische Marken setzen auf chinesische Influencer.
Vorbild für europäische Regulierung?
Die schnelle Reaktion von Douyin wirft Fragen auf, die auch Europa beschäftigen. Während die EU noch am Digital Services Act feilt, handeln chinesische Plattformen oft schneller. Der Fall zeigt die Schattenseiten einer unregulierten Creator-Economy. Er demonstriert aber auch, dass Selbstregulierung funktionieren kann, wenn Plattformen den politischen Willen spüren. Für Österreichs Medienlandschaft bietet das Lehren. Die RTR und andere Aufsichtsbehörden beobachten die chinesischen Entwicklungen genau. Ein Austausch auf technischer Ebene könnte beiden Seiten nützen.
The Two Sides of Power
Der Fall @Yebali offenbart die Spannungen einer digitalen Wirtschaft im Hyperwachstum. Einerseits ermöglicht Chinas Tech-Sektor Millionen Menschen neue Einkommensquellen. Junge Kreative erreichen ein Publikum, das frühere Generationen nie hatten. Andererseits entstehen Anreize, die Grenzen des Akzeptablen zu überschreiten. Die Jagd nach Klicks und Followern kann in gefährliche Dynamiken kippen. Dass Douyin nun durchgreift, ist ein positives Signal. Die permanente Sperre eines Millionen-Accounts sendet eine klare Botschaft an die Branche. Ob diese Einzelmaßnahme ausreicht oder ob strukturelle Änderungen folgen müssen, wird sich zeigen. Für europäische Beobachter bleibt die Entwicklung lehrreich.
*YANUS beobachtet die Entwicklung weiter.*
Quelle: News – South China Morning Post | Original Article
