Generation Kinderzimmer: Wenn Wohnen zum Luxus wird
Wien, 18. April 2026 — Die Zahlen aus London klingen wie ein schlechter Scherz: 35 Prozent aller britischen Männer zwischen 20 und 34 Jahren leben noch oder wieder im Elternhaus. Der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen 2007. Doch wer jetzt mit dem Finger auf die Insel zeigt, sollte einen Blick in österreichische Wohnzimmer werfen. Hier sieht es nicht besser aus.
Das Märchen vom faulen Nesthocker
Die offizielle Erzählung ist simpel: Junge Menschen seien bequem geworden, wollten nicht erwachsen werden, hätten zu hohe Ansprüche. Diese Narrative bedient die Politik gerne. Sie lenkt ab von einem systematischen Versagen. Die Wahrheit ist brutaler: Eine Generation kann sich das Erwachsenwerden schlicht nicht mehr leisten. In Wien kostet eine 50-Quadratmeter-Wohnung mittlerweile durchschnittlich 900 Euro kalt. Ein Berufseinsteiger verdient netto oft weniger als 1.800 Euro. Die Rechnung geht nicht auf. Sie ging nie auf – man hat es nur lange ignoriert.
Wer profitiert vom Wohnungsmangel
Die Immobilienbranche verzeichnet Rekordgewinne. Große Wohnungskonzerne wie Vonovia oder die österreichische BUWOG haben ihre Dividenden in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert. Gleichzeitig wurde der soziale Wohnbau systematisch ausgehungert. In Wien, einst Vorzeigestadt für leistbares Wohnen, entstehen kaum noch Gemeindebauten. Stattdessen Luxussanierungen und Anleger-Apartments. Der Markt regelt – aber er regelt für die Falschen. Banken verdienen an überteuerten Krediten, die sich ohnehin nur noch Erben leisten können. Baufirmen konzentrieren sich auf hochpreisige Segmente. Die Politik? Diskutiert über Eigenheimförderungen, die nur jenen helfen, die bereits Kapital besitzen.
Eine Generation wird enteignet
Was wir erleben, ist eine stille Enteignung der Jungen durch die Alten. Nicht durch bösen Willen, sondern durch ein System, das Besitzende belohnt und Besitzlose bestraft. Die Baby-Boomer kauften Häuser zu Preisen, die heute als Anzahlung nicht reichen würden. Sie sitzen auf Vermögen, das sie nie erarbeitet, sondern das der Markt ihnen geschenkt hat. Ihre Kinder hingegen zahlen für dieselben Quadratmeter das Drei- bis Vierfache – während die Löhne längst nicht mithalten. Das Ergebnis: Eine Rückkehr ins Kinderzimmer wird zur rationalen Entscheidung. Nicht aus Faulheit. Aus purer Notwendigkeit. In Südeuropa ist dieses Modell längst Normalität. Nun erreicht es den Norden.
The Two Sides of Power
Hinter der Wohnungskrise steht eine politische Entscheidung: Eigentum wurde zum Spekulationsobjekt, Wohnen zur Ware. Wer davon profitiert, sitzt in Aufsichtsräten und Lobbybüros. Wer dafür zahlt, sitzt im alten Kinderzimmer und scrollt durch Immobilienportale, die Hohn sprechen. Europa produziert eine Generation von gut ausgebildeten, hart arbeitenden Menschen ohne Zukunftsperspektive auf ein eigenes Zuhause. Das ist kein Lifestyle-Problem. Das ist politisches Versagen mit Ansage. Und es wird Konsequenzen haben – an den Wahlurnen, auf den Straßen, im gesellschaftlichen Zusammenhalt. YANUS wird dieses Thema weiter verfolgen.