Der Fall Zhevago
Teil 1: Das Netzwerk
Die Spur eines ukrainischen Industrieimperiums führt bis nach Österreich.

Konstyantyn Zhevago (photo credits. Hromadske Int.)
Alles.begann mit Eisenerz.
Tief unter der Erde in der ukrainischen Region Poltawa liegt eines der größten Eisenerzvorkommen Europas. Von hier aus wurden über Jahrzehnte Millionen Tonnen Rohstoffe in internationale Lieferketten eingespeist. Aus einer Mine entstand ein Industriekomplex, aus einem Unternehmer ein Milliardär und aus einer Geschäftsbeziehung ein Netzwerk, das bis nach Österreich reicht.
Im Zentrum steht der ukrainische Milliardär Konstyantyn Zhevago.
Lange galt er als Symbol einer neuen Generation ukrainischer Unternehmer: jung, international vernetzt, mit Zugang zu Kapitalmärkten und politischem Einfluss. Sein Unternehmen Ferrexpo entwickelte sich zu einem bedeutenden Anbieter von Eisenerzpellets und gewann internationale Investoren. Über Jahre entstand rund um das Unternehmen ein Geflecht aus Industrie, Logistik, Finanzierungen und Beteiligungen in mehreren Ländern.
Österreich taucht in dieser Geschichte an mehreren Stellen auf.
Bereits Anfang der 2000er Jahre entstanden wirtschaftliche Beziehungen zwischen Ferrexpo und österreichischen Industrieunternehmen. Später kamen Beteiligungen im Transportbereich, Handelsstrukturen und internationale Logistik entlang der Donau hinzu. Im Umfeld dieser Beziehungen finden sich über die Jahre Unternehmen, Berater und wirtschaftliche Akteure, die weit über klassische Lieferbeziehungen hinausreichen.
Was zunächst wie eine Erfolgsgeschichte der europäischen Industrieintegration wirkte, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem immer komplexeren System.
Das Dossier führt zu Beteiligungen im Schifffahrtsbereich, Verbindungen in den Handel mit Rohstoffen, Finanzstrukturen außerhalb der Ukraine sowie persönlichen und familiären Beziehungen im Umfeld einzelner wirtschaftlicher Akteure.
Parallel dazu veränderte sich die Lage in der Ukraine.
Die wirtschaftliche Situation von Ferrexpo verschlechterte sich in den vergangenen Jahren deutlich. Das Unternehmen berichtete über sinkende Liquidität, operative Herausforderungen und einen hohen Kapitalbedarf. Gleichzeitig verschärften sich politische und regulatorische Konflikte rund um Eigentümerstruktur, Sanktionen und Finanzierungsfragen.
Doch diese investigative Serie versucht nicht, ein Urteil zu fällen.
Er stellt sich eine andere Frage:
Wie konnte aus einer Rohstoffpartnerschaft ein internationales Geflecht entstehen, dessen wirtschaftliche, politische und persönliche Verbindungen heute über mehrere Länder reichen?
In den kommenden Teilen rekonstruiert YANUS Schritt für Schritt die Entwicklung dieses Systems.
Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag basiert auf öffentlich zugänglichen Quellen, Unternehmensunterlagen, Medienberichten und Dokumenten. Wo Vorwürfe oder Ermittlungen erwähnt werden, werden diese als solche dargestellt. Es gilt die Unschuldsvermutung.