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Selbstversuch: Ein Jahr Alltag mit einem KI-Roboter in Wien

Eine in Wien lebende US-Forscherin kaufte sich um 60.000 Euro einen humanoiden Roboter aus chinesischer Produktion. Im Selbstversuch zeigt sie, dass das Zusammenleben mit den intelligenten Maschinen noch schwierig ist.

Selbstversuch: Ein Jahr Alltag mit einem KI-Roboter in Wien

Im April 2025 holte Emily Genatowski, 35-jährige US-Amerikanerin und Doktorandin für Digital Humanities an der Universität Wien, ein Paket bei einer Spedition im Wiener Stadtgebiet ab. Darin: ein humanoider Roboter des Typs Unitree G1 EDU 2, hergestellt in China, 1,30 Meter groß, 35 Kilogramm schwer, Kaufpreis rund 60.000 Euro. Seit über einem Jahr lebt Genatowski nun mit dem Roboter, den sie Tova nennt, hebräisch für „gut“. Ihr Ziel ist kein Marketing-Video, sondern eine nüchterne Bestandsaufnahme: Was kann ein KI-Roboter im echten Alltag tatsächlich leisten, und wo stößt er an Grenzen.

Ein Roboter ohne Gesicht, ein Labor ohne Praxis

Der Unitree G1 EDU 2 hat keinen Mund, keine Augen im menschlichen Sinn, sondern LED-Leisten und eine Kamera anstelle eines Gesichts. Er verfügt über ein Lasersystem zur Kartierung der Umgebung, eine Tiefenkamera und ein integriertes Large Language Model, mit dem er Sprache verarbeiten kann. Als „humanoid“ gilt er wegen seiner Form, nicht wegen seines Verhaltens: Der Hersteller selbst konnte Genatowski auf Anfrage, auch auf Mandarin gestellt, keine Auskunft darüber geben, wie sich das Gerät etwa gegenüber Haustieren verhält.

Türklinken als größte Hürde

Genatowskis Alltag mit Tova, gemeinsam mit ihrem Hund Marceau in einer Wohnung im 9. Wiener Gemeindebezirk, bestand aus einer langen Liste ungelöster Probleme: rechtliche Unklarheiten, technische Grenzen, praktisches Scheitern. Besonders deutlich zeigte sich das an den Händen des Roboters. Drei-Finger- oder Fünf-Finger-Konstruktionen mit mehreren Gelenken klingen ausgereift, scheiterten in der Praxis aber an gewöhnlichen Türklinken, Trinkgefäßen oder Wasserhähnen. Pläne, Tova etwa choreografisch einzusetzen, musste Genatowski rasch aufgeben. Stattdessen nahm sie den Roboter mit aufs Meldeamt und in die Straßenbahn, um zu dokumentieren, wie eine Gesellschaft und ihre Institutionen auf ein solches Gerät im öffentlichen Raum reagieren.

Vom Labor in den echten Alltag

Die meisten Menschen kennen humanoide Roboter aus kurzen Clips in sozialen Medien: Rad schlagend, boxend, bügelnd, Regale einräumend. Genatowski distanziert sich bewusst von dieser Inszenierung. Ihr wissenschaftliches Projekt zielt darauf ab, genau jene Hindernisse sichtbar zu machen, an denen ein Roboter wie Tova in der Realität scheitert, technisch wie gesellschaftlich.

Der chinesische Hersteller Unitree zählt international zu den bekanntesten Anbietern erschwinglicher humanoider Roboterplattformen für Forschung und Entwicklung, das EDU-Modell richtet sich explizit an Universitäten und Institute, nicht an Privathaushalte.

Für Europa illustriert der Fall zwei Entwicklungen gleichzeitig: China treibt die Massenproduktion humanoider Roboter mit beachtlichem Tempo voran. Hersteller wie Unitree, UBTech oder Fourier Intelligence bringen Systeme zu Preisen auf den Markt, die vor wenigen Jahren undenkbar waren.

Gleichzeitig zeigt Genatowskis Erfahrung, dass die Lücke zwischen Werbevideo und Alltagstauglichkeit noch groß ist. Für Österreich und die EU bedeutet das: Wer über Regulierung von KI-Robotik im öffentlichen Raum nachdenkt, hat noch Zeit, aber sie schrumpft. Genatowskis Fazit nach einem Jahr mit Tova lautet nüchtern: Die Zukunft ist bereits im Lagerraum angekommen, im Wohnzimmer braucht sie noch deutlich länger.

Den ganzen Bericht finden Sie im österreichischen Nachrichtenmagazin „profil“:

https://www.profil.at/gesellschaft/abenteuer-alltag-emily-und-ihr-ki-roboter/403180605

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