Chinesischer Laser tötet 30 Mücken pro Sekunde ohne Chemie
Ein tragbares Gerät kombiniert LiDAR, Radar und KI, um Mücken im Flug zu erkennen und gezielt zu eliminieren. Was steckt hinter der Technik?
Ein in China entwickeltes tragbares Lasergerät soll Mücken künftig ganz ohne Chemikalien bekämpfen. Das System erkennt die Insekten im Flug mittels LiDAR und Millimeterwellenradar, ein KI-Modul berechnet in Echtzeit Position und Flugbahn, dann eliminiert ein kurzer Laserimpuls das Ziel auf eine Distanz von bis zu sechs Metern. Nach Angaben der Entwickler schafft das Gerät bis zu 30 Mücken pro Sekunde.
Wie die Technik funktioniert
Das Prinzip ähnelt jenem von autonomen Fahrassistenzsystemen, nur im Kleinformat: LiDAR liefert ein präzises räumliches Bild der Umgebung, der Radar erfasst Bewegungen auch bei schlechten Lichtverhältnissen, und die KI unterscheidet zwischen Mücken und anderen Objekten wie Blättern, Staub oder größeren Insekten. Erst wenn das System ein Ziel mit hoher Sicherheit als Mücke identifiziert, löst der Laserimpuls aus. Die Hersteller betonen, dass eine Sicherheitsabschaltung eingebaut ist, die eine versehentliche Auslösung bei Menschen oder Tieren verhindern soll.
Damit unterscheidet sich das Gerät deutlich von klassischen Insektenvernichtern mit UV-Licht oder Elektrogittern, die unspezifisch alles anlocken und töten, was in Reichweite kommt. Die gezielte Erkennung soll ökologische Kollateralschäden reduzieren, etwa an Bienen oder anderen Nützlingen.
Ein Markt mit Potenzial
Mückenbekämpfung ist weltweit ein Milliardengeschäft, von Sprays über Fallen bis zu chemischen Repellents. Der World Health Organization zufolge übertragen Mücken Krankheiten wie Malaria und Dengue-Fieber, an denen jährlich hunderttausende Menschen sterben, vor allem in tropischen und subtropischen Regionen. China selbst hat in den vergangenen Jahren wiederholt Ausbrüche von Dengue-Fieber in südlichen Provinzen wie Guangdong verzeichnet, was den Bedarf an neuen Bekämpfungsmethoden zusätzlich befeuert.
Für den Massenmarkt dürfte der Preis entscheidend sein. Laserbasierte Systeme mit Radar- und KI-Komponenten sind aufwendiger zu fertigen als einfache Fallen, was sich zunächst in höheren Anschaffungskosten niederschlagen wird. Ob das Gerät für Privathaushalte oder eher für landwirtschaftliche und kommunale Anwendungen gedacht ist, ist aus den bisherigen Angaben nicht ersichtlich.
Laser gegen Insekten sind keine neue Idee
Die Idee, Laser gegen Schadinsekten einzusetzen, ist nicht neu. Bereits vor Jahren experimentierten US-Forschungsprojekte mit sogenannten „Photonic Fences“, Laserzäunen, die Mücken anhand ihrer Flügelschlagfrequenz erkennen und abschießen sollten. Diese Projekte blieben jedoch meist im Prototypenstadium oder scheiterten an Kosten und Komplexität.
Der chinesische Ansatz mit LiDAR und Millimeterwellenradar nutzt Technologien, die durch die Massenproduktion für Smartphones und autonome Fahrzeuge inzwischen deutlich günstiger geworden sind. Das könnte den entscheidenden Unterschied machen, um solche Systeme aus dem Labor in den Alltag zu bringen.
Für Europa ist das Thema mehr als eine Randnotiz. Mit dem Klimawandel breiten sich auch hier invasive Mückenarten wie die Asiatische Tigermücke aus, die in Österreich bereits in mehreren Bundesländern nachgewiesen wurde und potenziell Krankheitserreger übertragen kann. Sollte sich die Lasertechnologie als alltagstauglich und bezahlbar erweisen, wäre sie eine chemiefreie Alternative für Gärten, Terrassen oder landwirtschaftliche Betriebe, ein Markt, den europäische Hersteller bislang kaum besetzen.