Alibaba plant Umsatzbeteiligung bei nächstem KI-Modell
Statt fixer Lizenzgebühren will der chinesische Tech-Konzern künftig am Erfolg seiner Großkunden mitverdienen. Ein neues Geschäftsmodell für offene KI-Systeme zeichnet sich ab.
Wien
Der chinesische Technologiekonzern Alibaba plant ein neues Abrechnungsmodell für sein kommendes Qwen-Sprachmodell. Statt fixer Nutzungsgebühren sollen große kommerzielle Kunden künftig einen Anteil ihres damit erwirtschafteten Umsatzes an Alibaba abführen. Die Einführung könnte bereits in der kommenden Woche erfolgen, die genaue Höhe der Beteiligung ist laut den vorliegenden Informationen aber noch Gegenstand laufender Verhandlungen.
Vom Lizenzmodell zur Umsatzbeteiligung
Alibabas Qwen-Modellreihe gehört zu den bekanntesten offenen KI-Systemen aus China und wird von Unternehmen weltweit für eigene Anwendungen genutzt. Bisher berechnet Alibaba Kunden für die Nutzung überwiegend nach Rechenleistung oder über klassische Lizenzmodelle. Ein Wechsel zu einer Umsatzbeteiligung würde bedeuten, dass Alibaba direkt am wirtschaftlichen Erfolg der Anwendungen partizipiert, die auf Qwen aufbauen.
Damit würde sich das Unternehmen von der Praxis vieler US-Anbieter wie OpenAI oder Anthropic unterscheiden, die überwiegend nach Nutzungsvolumen abrechnen. Für Alibaba könnte das Modell insbesondere bei Kunden interessant sein, die Qwen in großem Maßstab in eigene, umsatzstarke Produkte integrieren, etwa im E-Commerce, in der Finanzbranche oder bei Cloud-Diensten.
Open-Weight-Modelle unter Kostendruck
Qwen wird als sogenanntes Open-Weight-Modell bezeichnet, dessen Gewichte öffentlich zugänglich sind und von Entwicklern angepasst werden können. Solche Modelle haben in den vergangenen zwei Jahren stark an Bedeutung gewonnen, weil sie Unternehmen mehr Kontrolle und geringere Abhängigkeit von einzelnen Cloud-Anbietern ermöglichen. Gleichzeitig steigen die Kosten für Training und Betrieb großer Modelle kontinuierlich, was Anbieter wie Alibaba zu neuen Erlösmodellen bewegt.
Eine Umsatzbeteiligung würde es Alibaba erlauben, auch von kleineren Kunden mit stark wachsenden Anwendungen zu profitieren, ohne im Vorfeld hohe Lizenzgebühren verlangen zu müssen. Für Start-ups und mittelständische Unternehmen könnte das den Einstieg erleichtern, gleichzeitig steigt aber die langfristige finanzielle Bindung an den Anbieter.
Wettbewerb im chinesischen KI-Markt
Alibaba steht im chinesischen KI-Markt in direkter Konkurrenz zu Unternehmen wie Baidu, ByteDance und DeepSeek, die ebenfalls eigene Sprachmodelle entwickeln und teils kostenlos oder zu niedrigen Preisen anbieten. Ein neues Abrechnungsmodell könnte Alibaba helfen, sich stärker zu differenzieren und höhere Erträge aus kommerziellen Großkunden zu erzielen, ohne die breite, oft kostenfreie Nutzung für Entwickler und Forschung einzuschränken.
Der Zeitpunkt der geplanten Einführung fällt in eine Phase, in der viele Tech-Konzerne weltweit nach tragfähigen Geschäftsmodellen für generative KI suchen. Milliardeninvestitionen in Rechenzentren und Trainingsinfrastruktur stehen bislang oft in keinem klaren Verhältnis zu den erzielten Umsätzen, was den Druck auf neue Preisstrukturen erhöht.
Für europäische und österreichische Unternehmen, die zunehmend offene chinesische KI-Modelle wie Qwen in eigene Produkte integrieren, hätte ein Wechsel zur Umsatzbeteiligung konkrete Folgen. Wer etwa in der heimischen Software- oder Industriebranche auf Qwen setzt, müsste künftig genauer kalkulieren, welcher Anteil des eigenen Umsatzes an den chinesischen Anbieter fließt.
Gleichzeitig zeigt der Vorstoß, wie stark sich der globale Wettbewerb um KI-Geschäftsmodelle jenseits der bekannten US-Anbieter wie OpenAI, Google oder Microsoft entwickelt, ein Umstand, den auch europäische Regulierer und Unternehmen bei der Wahl ihrer technologischen Partner künftig stärker berücksichtigen dürften.
Quelle: TechNode | Originalartikel