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Montenegro: EU zahlt, China baut die Balkan-Autobahn

Beim zweiten Abschnitt der Bar-Boljare-Autobahn übernimmt Europa die Finanzierung, ein chinesisches Konsortium aber wieder den Bau. Ein Modell, das über Montenegro hinausweist.

Montenegro: EU zahlt, China baut die Balkan-Autobahn

Ende Juni begannen im montenegrinischen Hinterland die Vorarbeiten für den zweiten Abschnitt der Autobahn Bar-Boljare. Das Projekt gilt seit Jahren als teuerstes Infrastrukturvorhaben des kleinen Balkanstaates. Neu ist diesmal die Finanzierungsstruktur: Statt eines chinesischen Kredits stehen europäische Institutionen für das Geld gerade, während der Bau erneut in den Händen eines chinesischen Konsortiums liegt.

Vom Kredit zum Auftrag

Der erste Abschnitt der Bar-Boljare-Autobahn wurde ab 2014 von der China Road and Bridge Corporation (CRBC) gebaut, finanziert über einen Kredit der China Exim Bank in Höhe von rund 944 Millionen Euro. Diese Summe trug maßgeblich dazu bei, dass Montenegros Staatsverschuldung zeitweise auf über 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts stieg. Beim zweiten Abschnitt ist die Rollenverteilung nun eine andere: Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) sowie die Europäische Investitionsbank (EIB) stellen einen Großteil der Mittel bereit, während CRBC weiterhin als Bauunternehmen im Konsortium vertreten ist.

Ein Muster mit Wiederholungscharakter

Ähnliche Konstellationen zeichnen sich laut China Observers auch in anderen Balkanstaaten ab, etwa bei Bahn- und Straßenprojekten in Serbien und Nordmazedonien, wo europäische oder internationale Entwicklungsbanken zunehmend als Geldgeber auftreten, chinesische Baufirmen aber ihre technische und logistische Präsenz vor Ort behalten. Der Grund liegt auch in der gewachsenen Erfahrung: CRBC und vergleichbare Unternehmen haben in den vergangenen zehn Jahren tiefe lokale Lieferketten, Maschinenparks und Personalstrukturen am Westbalkan aufgebaut, die bei Ausschreibungen einen Kostenvorteil bringen können.

Was das für die Region bedeutet

Für Montenegro selbst bringt das neue Modell eine geringere direkte Schuldenlast gegenüber Peking, da die europäischen Entwicklungsbanken andere Konditionen und Transparenzauflagen anlegen als bilaterale chinesische Kredite. Gleichzeitig bleibt die bauliche Umsetzung technologisch und personell in chinesischer Hand, was die wirtschaftliche Verflechtung zwischen China und dem Westbalkan auf einer anderen Ebene fortschreibt.

Источник: chinaobservers | Оригинальная статья

Für Österreich und die EU insgesamt zeigt der Fall, wie sich chinesisches wirtschaftliches Engagement in Europas Nachbarschaft wandelt: weg vom klassischen Kreditmodell der Belt and Road Initiative, hin zu einer Rolle als Auftragnehmer innerhalb europäisch finanzierter Projekte. Das verändert die politische Debatte über Abhängigkeiten, denn die Frage ist nicht mehr nur, wer zahlt, sondern auch wer baut und welche heimischen Firmen bei solchen Ausschreibungen konkurrenzfähig bleiben.

Österreichische Bauunternehmen, die selbst im Westbalkan-Infrastrukturgeschäft aktiv sind, dürften diese Entwicklung mit Interesse verfolgen. Gerade im Hinblick auf das große Thema Wiederaufbau in der Ukraine ist diese Entwicklung sehr interessant, da auch dort ähnliche Konstellationen zu erwarten sind.

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