Mehr Österreich für China
China gehört zu Österreichs wichtigsten Handelspartnern. Doch während die Importe stark wachsen, gehen Österreichs Exporte zurück. Lebensmittel, Tourismus und Kultur bieten große Chancen. Österreich braucht deshalb nicht weniger China, sondern mehr Österreich in China.
China ist zu einem der wichtigsten Wirtschaftspartner Österreichs geworden. Doch die Handelsbeziehung entwickelt sich zunehmend in eine Richtung: Österreich kauft immer mehr chinesische Waren, während die österreichischen Exporte nach China zurückgehen. Genau darin liegen aber auch große Wachstumschancen.
2025 importierte Österreich Waren im Wert von 17,6 Milliarden Euro aus China. Gleichzeitig exportierten österreichische Unternehmen nur Waren im Wert von 5,1 Milliarden Euro nach China.
Das gesamte Warenhandelsvolumen zwischen beiden Ländern erreichte damit 22,7 Milliarden Euro. Gegenüber 2024 entspricht das einem Wachstum von rund 9,2 Prozent.
Besonders auffällig: Die Importe aus China stiegen 2025 um 13,8 Prozent, während die österreichischen Exporte nach China um 4,4 Prozent zurückgingen.
Österreichs wichtigste Handelspartner 2025
| Land | Exporte | Importe | Handelsvolumen | Veränderung zu 2024 |
| Deutschland | 56,2 Mrd. € | 63,3 Mrd. € | 119,5 Mrd. € | +1,7 % |
| Italien | ca. 12,6 Mrd. € | ca. 12,4 Mrd. € | ca. 25,0 Mrd. € | ca. +4 % |
| China | 5,1 Mrd. € | 17,6 Mrd. € | 22,7 Mrd. € | +9,2 % |
| Schweiz | ca. 9,9 Mrd. € | ca. 11,0 Mrd. € | ca. 21,0 Mrd. € | ca. +27 % |
| USA | 12,9 Mrd. € | 7,7 Mrd. € | 20,7 Mrd. € | ca. −13 % |
Handelsvolumen = Importe + Exporte. Werte gerundet. Quelle: Statistik Austria/WKO, 2025 vorläufig.
Deutschland bleibt mit großem Abstand Österreichs wichtigster Handelspartner. Dahinter liegen die Größenordnungen wesentlich näher zusammen. China gehört mit fast 23 Milliarden Euro Warenhandel zur Spitzengruppe der wichtigsten österreichischen Handelspartner.
Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Struktur: Das Wachstum mit China wird vor allem durch steigende chinesische Exporte nach Österreich getragen.
China ist längst nicht mehr nur die Werkbank der Welt
China wird zunehmend in jenen Bereichen stark, die traditionell zu den Stärken der österreichischen Industrie gehören. Maschinen, Fahrzeuge, Elektronik und andere technologisch anspruchsvolle Produkte werden längst nicht mehr nur aus Europa nach China geliefert.
Chinesische Unternehmen sind selbst zu starken internationalen Konkurrenten geworden.
Die Antwort darauf sollte aber nicht weniger Handel mit China sein. Österreich muss vielmehr versuchen, mehr nach China zu verkaufen und die Wirtschaftsbeziehungen auf neue Bereiche auszuweiten.
Lebensmittel: Österreich verkauft zu wenig nach China
Eine große Chance liegt bei Lebensmitteln.
Österreich exportierte 2025 weltweit Nahrungsmittel im Wert von rund 13,3 Milliarden Euro. Nach China gingen davon aber nur rund 68 Millionen Euro.
Das ist erstaunlich wenig und zeigt, welches Potenzial noch vorhanden ist.
Österreich wird bei Massenprodukten kaum über den niedrigsten Preis konkurrieren können. Dafür bestehen Chancen im Premiumsegment: Milchprodukte, Käse, biologische Lebensmittel, Süßwaren, Fruchtsäfte, Wein und andere hochwertige Getränke und Lebensmittel.
Qualität, Lebensmittelsicherheit und Herkunft können dabei zu einem Wettbewerbsvorteil werden. Österreich sollte seine Produkte in China wesentlich stärker gemeinsam unter der Marke „Made in Austria“ positionieren.
Eine konkrete Chance bietet dabei auch die Raiffeisen-Niederlassung in Peking. Mit ihrem neuen Leiter könnte sie österreichische Unternehmen bei der Erschließung des chinesischen Marktes unterstützen, Kontakte zu chinesischen Partnern herstellen und dabei helfen, Finanzierung, Vertrieb und Markteintritt besser miteinander zu verbinden.
Gerade für mittelständische österreichische Lebensmittelproduzenten ist das wichtig. Für sie sind die Größe und Komplexität des chinesischen Marktes, regulatorische Anforderungen sowie die Suche nach verlässlichen Vertriebspartnern erhebliche Hürden.
Wenn österreichische Unternehmen, Außenwirtschaft und österreichische Finanzinstitute in China stärker zusammenarbeiten, könnten aus einzelnen Exporterfolgen langfristig größere und dauerhafte Vertriebsstrukturen entstehen.
Tourismus: China hat noch nicht das Niveau von 2019 erreicht
Auch beim Tourismus zeigt sich erhebliches Wachstumspotenzial.
Vor der Corona-Pandemie war China einer der wichtigsten asiatischen Herkunftsmärkte für Österreich. 2025 kamen wieder deutlich mehr chinesische Gäste nach Österreich. Das Niveau von 2019 wurde jedoch noch bei weitem nicht erreicht.
Chinesische Touristen in Österreich: 2019 vs. 2025
| 2019 | 2025 | Veränderung | |
| Ankünfte aus China | ca. 1,0 Mio. | ca. 460.000 | −54 % |
| Nächtigungen chinesischer Gäste | ca. 1,5 Mio. | ca. 780.000 | −48 % |
Quelle: Statistik Austria/Österreich Werbung; Werte gerundet.
Damit erreichte Österreich 2025 bei chinesischen Gästen erst ungefähr die Hälfte des Niveaus vor der Pandemie.
Das ist besonders bemerkenswert, weil der österreichische Tourismus insgesamt längst wieder Rekordwerte erreicht. Bei China besteht dagegen weiterhin eine große Lücke.
Allein eine Rückkehr auf das Niveau von 2019 würde rund 540.000 zusätzliche chinesische Gäste und etwa 700.000 zusätzliche Nächtigungen pro Jahr bedeuten.
Österreich sollte aber nicht nur versuchen, das Vorkrisenniveau wieder zu erreichen. Wien, Salzburg, die Alpen, Wintersport, Seen und Kulinarik bieten die Voraussetzungen, deutlich mehr chinesische Gäste anzusprechen.
Besonders interessant sind kaufkräftige Individual- und Premiumreisende. Sie schaffen Wertschöpfung weit über die Hotellerie hinaus: in Gastronomie, Handel, Verkehr, Bergbahnen, Museen und bei Kulturveranstaltungen.
Dafür muss Österreich auf chinesischen digitalen Plattformen stärker sichtbar werden und seine Angebote gezielter für den chinesischen Markt positionieren.
Kultur als Türöffner
Österreich besitzt noch einen weiteren Vorteil, der sich in keiner Handelsstatistik vollständig abbilden lässt: seine Kultur.
Mozart, die Wiener Philharmoniker, die Wiener Staatsoper, Klimt, Salzburg und Wien sind auch in China bekannte Marken.
Dieses kulturelle Kapital könnte wesentlich stärker mit Wirtschaft und Tourismus verbunden werden.
Konzerte, Ausstellungen, Musik- und Ausbildungsprogramme sowie Kooperationen zwischen österreichischen und chinesischen Kultur- und Bildungseinrichtungen erhöhen nicht nur die Bekanntheit Österreichs. Sie können auch Interesse an Reisen nach Österreich und an österreichischen Produkten schaffen.
Kultur wird damit zum Türöffner für Tourismus und Wirtschaft.
Nicht weniger China, sondern mehr Österreich in China
China gehört bereits zu den größten Wirtschaftspartnern Österreichs. Die wirtschaftlichen Beziehungen und Netzwerke bestehen also.
Jetzt geht es darum, sie besser zu nutzen.
Österreich muss einerseits strategische Abhängigkeiten reduzieren. Andererseits wäre es wirtschaftlich kurzsichtig, die Chancen eines der größten Märkte der Welt nicht stärker zu nutzen.
Neben Maschinen und Technologie bieten vor allem Lebensmittel, Tourismus, Kultur und hochwertige Dienstleistungen zusätzliches Wachstumspotenzial.
Die österreichische China-Strategie sollte deshalb nicht lauten: weniger China.
Sie sollte lauten:
Mehr Österreich in China.
Hinweis: Das Beitragsphoto und der Beitrag wurden mit KI-Unterstützung bearbeitet.