Gefälschte Korruptionsvorwürfe gegen hohen ukrainischen Beamten
140 Millionen Dollar in Kartons, eine gefälschte Nachrichtenseite gegen einen hohen ukrainischen Beamten und ein Muster, das Ermittler bereits kennen
Eine gefälschte Webseite, die sich als ukrainisches Medium ausgibt, hat dem ehemaligen Chef des ukrainischen Beschaffungsamtes für Rüstungsgüter, Arsen Zhumadilov, einen Korruptionsskandal in Höhe von 140 Millionen Dollar unterstellt.
Laut Recherchen von correctiv.org handelt es sich um eine Fälschung, die in Aufbau und Verbreitungsmuster der russischen Desinformationskampagne Doppelgänger ähnelt.
Hintergrund
Arsen Zhumadilov leitete die staatliche Agentur für Rüstungsbeschaffung der Ukraine, eine Institution, die seit Kriegsbeginn stark unter Beobachtung steht, da über sie Milliardensummen für Munition, Ausrüstung und Militärgüter fließen. Gerade weil an dieser Stelle tatsächliche Korruptionsfälle in der Vergangenheit dokumentiert wurden, sind gefälschte Anschuldigungen gegen Beschaffungsverantwortliche ein wirksames Werkzeug, um echte Skandale mit erfundenen zu vermischen.
Die Kampagne Doppelgänger ist seit 2022 von mehreren europäischen Sicherheitsbehörden und Forschungseinrichtungen dokumentiert worden. Sie kopiert das Layout etablierter Nachrichtenseiten, verändert aber gezielt Inhalte, um Desinformation mit dem Anschein journalistischer Seriosität zu verbreiten.
Neue Fakten
Laut correctiv.org wurde die gefälschte Webseite so gestaltet, dass sie einem echten ukrainischen Medium optisch täuschend ähnelt.
Die Behauptung, Zhumadilov habe 140 Millionen Dollar in Kartons beiseitegeschafft, lässt sich den Rechercheuren zufolge auf keine verifizierbare Quelle zurückführen.
Die Analyse von correctiv.org verweist auf technische und stilistische Parallelen zu früheren Doppelgänger-Fällen, etwa bei der Struktur der URL, der Gestaltung des Impressums und der Art, wie der Artikel über soziale Netzwerke gestreut wurde.
Eine eindeutige Zuordnung zu einem staatlichen Akteur nehmen die Rechercheure in ihrem Bericht nicht vor, sie beschreiben lediglich die Musterähnlichkeit.
Reaktionen
Öffentlich bekannt ist bislang keine offizielle Stellungnahme von Arsen Zhumadilov oder der ukrainischen Beschaffungsagentur zu dem konkreten Vorfall. Correctiv.org ordnet den Fall in eine längere Reihe ähnlicher Fälschungen ein, die in den vergangenen Jahren gegen ukrainische Amtsträger und Institutionen verbreitet wurden.
Für Österreichist der Fall relevant, weil gefälschte Korruptionsvorwürfe gegen ukrainische Beschaffungsstellen direkten Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung von EU-Hilfsprogrammen und Rüstungslieferungen haben können, die auch über österreichische und europäische Unternehmen sowie Finanzinstitute abgewickelt werden. Desinformationskampagnen dieser Art zielen laut den Recherchen von correctiv.org darauf ab, das Vertrauen in ukrainische Institutionen und damit indirekt auch in die Wirksamkeit europäischer Unterstützungsmaßnahmen zu untergraben.
Quelle: correctiv.org | Originalartikel