Der Fall Zhevago: Teil 3 – Der Bankrott von Uzhhorod Turbogas
Seit über sieben Jahren steckt das ukrainische Industrieunternehmen PrAT „Uzhhorodsky Turbogas“ im Insolvenzverfahren fest. Im April 2026 erklärte es das Wirtschaftsgericht der Oblast Transkarpatien endgültig für bankrott. Dahinter: ein Geflecht aus mutmaßlichen Kapitalabflüssen, Offshore-Konstruktionen von Konstantin Zhevago.
Sieben Jahre Stillstand im Insolvenzgericht
Am 23. April 2026 erklärte das Wirtschaftsgericht der Oblast Transkarpatien das Unternehmen PrAT „Uzhhorodsky Turbogas“ in der Rechtssache Nr. 907/665/18 offiziell für bankrott und eröffnete das Liquidationsverfahren. Das Gericht stellte eine kritische Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens fest und die Unmöglichkeit, Verpflichtungen gegenüber den Gläubigern zu erfüllen.
Was folgte, war bemerkenswert: Unmittelbar nach der Entscheidung wurden mindestens fünf Berufungsklagen eingereicht. Für Beobachter ist das ein Muster, das man aus dem Umfeld von Konstantin Zhevago kennt, dem Geschäftsmann, dem das Unternehmen über Jahre zugerechnet wurde.
Dabei läuft das Insolvenzverfahren bereits seit 2018. Mehr als sieben Jahre in der sogenannten „Vermögensverwaltungsphase“ — weit über die gesetzlich vorgesehenen Fristen hinaus. Das Ergebnis: eingefrorene Vermögenswerte, blockierte Gläubigeransprüche, wirtschaftlicher Stillstand.
Uzhhorod Turbogas: Maschinenbau für die Energiebranche
Das Unternehmen war kein unbedeutender Betrieb. PrAT „Uzhhorodsky Turbogas“ verfügte über Produktionsinfrastruktur und industrielle Anlagen im Bereich Maschinenbau und Wartung von Ausrüstungen für die Energiewirtschaft – ein Unternehmen mit regionalem Gewicht und potenziellem Wert als Gesamtkomplex im Zuge einer Liquidation.
Umso schwerwiegender ist die Frage, warum das Verfahren so lange dauerte und wer davon profitierte.
17 Millionen Dollar ins Nichts
Im Kern des Falles steht eine Transaktion aus dem Jahr 2012: Uzhhorod Turbogas überwies damals rund 17 Millionen US-Dollar an die ausländische Gesellschaft Logistic Solution International LTD — angeblich für eine Warenlieferung. Eine Ware wurde jedoch nie geliefert.
Die ukrainischen Steuerbehörden werteten dies als Grundlage für erhebliche Steuernachforderungen und Strafzahlungen gegen das Unternehmen.
Was ist Logistic Solution International LTD? Mehrere ukrainische Medien und analytische Veröffentlichungen, darunter ZN.ua, haben das Unternehmen mit dem Geschäftsumfeld von Konstantin Zhevago in Verbindung gebracht. Konkret soll Logistic Solution International LTD rund 99 Prozent der Anteile an der Gesellschaft TOV „MTK“ gehalten haben — einem Mitteigentümer des Reifenherstellers PrAT „Rosava“, der ebenfalls der Zhevago-Gruppe zugerechnet wird.
Darüber hinaus wurde auf eine Adressübereinstimmung zwischen Logistic Solution International LTD und der Gesellschaft Invertex Ltd hingewiesen, als deren Begünstigten (Beneficial Owner) ukrainische Quellen Zhevago selbst nennen.
Das Muster ist bekannt und hat einen Namen: fiktive Lieferverträge mit verbundenen Offshore-Gesellschaften als Instrument zum Kapitalabzug aus ukrainischen Betrieben.
Zhevago: Strafanzeigen, Richterbestechung, Flucht
Konstantin Zhevago ist kein unbeschriebenes Blatt. Im März 2026 stellten ukrainische Strafverfolgungsbehörden ihm eine neue Verdächtigenbenachrichtigung wegen mutmaßlicher Veruntreuung von über 519 Millionen Hryvnia aus der Bank „Finansy ta Kredyt“ zu, sowie anschließender Geldwäsche. Kurz darauf wurde in derselben Causa drei amtierenden Richtern Bestechung vorgeworfen.
Der Oligarch, einst einer der reichsten Männer der Ukraine und Inhaber des Bergbaukonzerns Ferrexpo sowie mehrerer österreichischer Beteiligungen, hält sich seit Jahren im Ausland auf. Die ukrainische Justiz hat wiederholt versucht, ihn zur Rechenschaft zu ziehen, bislang mit begrenztem Erfolg.
Der Fall Uzhhorod Turbogas fügt dem Bild eine weitere Dimension hinzu: die systematische Nutzung ukrainischer Industriebetriebe als Vehikel für Kapitalabflüsse in Offshore-Strukturen — während Gläubiger, Arbeitnehmer und der ukrainische Staat die Kosten tragen.