ByteDances KI-App Doubao steigt ins Taxi-Geschäft ein
ByteDance, der Mutterkonzern der Video-Plattform TikTok, expandiert mit seiner KI-App Doubao in den chinesischen Mobilitätsmarkt. Seit Montag können ausgewählte Nutzer über die App Taxis bestellen – ein Betatest, der auf dem chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo sofort zum meistdiskutierten Thema avancierte.

Vom Chatbot zur Super-App
Doubao, ursprünglich als KI-Assistent nach dem Vorbild von ChatGPT konzipiert, hat sich in den vergangenen Monaten systematisch zu einer Plattform für Alltagsdienstleistungen entwickelt. Nach der Integration von E-Commerce-Funktionen und Gruppenkauf-Angeboten folgt nun der Einstieg in die Personenbeförderung. Nutzer berichten auf sozialen Medien, dass die Taxi-Funktion derzeit in mehreren chinesischen Großstädten getestet wird. ByteDance selbst hat sich zu den Details des Pilotprojekts bisher nicht öffentlich geäußert. Die Strategie erinnert an das Erfolgsmodell von WeChat, das sich vom Messenger zur dominierenden Super-App Chinas entwickelt hat – mit Zahlungsfunktion, Mini-Programmen und Dienstleistungen aller Art.
Frontalangriff auf Didi
Mit dem Vorstoß fordert ByteDance den bisherigen Platzhirsch Didi Chuxing heraus, der nach Schätzungen von Analysehäusern rund 70 Prozent des chinesischen Ride-Hailing-Marktes kontrolliert. Dieser Markt wurde 2025 auf ein Volumen von umgerechnet etwa 45 Milliarden Euro geschätzt. ByteDance verfügt mit seinen Apps TikTok, Douyin und nun Doubao über einen gewaltigen Nutzerstamm: Allein Douyin, die chinesische Version von TikTok, zählt über 750 Millionen täglich aktive Nutzer. Doubao selbst verzeichnete seit dem Start im August 2023 rasantes Wachstum und gehört zu den meistgeladenen KI-Apps weltweit. Diese Reichweite könnte sich als entscheidender Wettbewerbsvorteil erweisen, wenn ByteDance Fahrten direkt aus der App heraus vermittelt, ohne dass Nutzer eine zusätzliche Anwendung installieren müssen.
Technologie als Türöffner für Dienstleistungen
Der Schritt illustriert einen breiteren Trend in Chinas Tech-Branche: Künstliche Intelligenz dient nicht mehr nur als eigenständiges Produkt, sondern als Einstiegspunkt in margenstarke Dienstleistungsmärkte. Für ByteDance bedeutet dies neue Einnahmequellen jenseits des Werbegeschäfts, das den Großteil der Konzernerlöse ausmacht.
Einordnung für österreichische Leser
Der aggressive Expansionskurs von ByteDance hat auch für europäische Märkte Signalwirkung. Der Konzern betreibt mit TikTok bereits eine der beliebtesten Apps unter österreichischen Jugendlichen – laut Jugend-Internet-Monitor 2025 nutzen 67 Prozent der 11- bis 17-Jährigen die Plattform regelmäßig. Sollte ByteDance sein Super-App-Modell langfristig internationalisieren, könnten auch hiesige Mobilitätsanbieter wie Bolt oder Uber unter Druck geraten. Kurzfristig bleibt der Taxi-Dienst auf China beschränkt – doch die technologische Blaupause für eine globale Expansion liegt vor. ByteDances Börsenbewertung wurde zuletzt auf rund 220 Milliarden US-Dollar geschätzt, womit der Konzern über ausreichend Kapital für weitere Marktoffensiven verfügt.
Quelle: TechNode | Originalartikel