Sonntag, 30. August 2026
DE | EN | UA | RU | ZH
FBXIG
Abo Vertrauliche Hinweise

China baut Atomkraft aus: Bis 2030 mehr Kapazität als die USA

Peking setzt auf Dutzende neue Reaktoren gleichzeitig. Ein Blick auf Zahlen, Technologie und was das für Europas Energiepolitik bedeutet.

China baut Atomkraft aus: Bis 2030 mehr Kapazität als die USA

China ist mittlerweile der weltweit am schnellsten wachsende Produzent von Kernenergie. Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) sind derzeit mehr als 30 Reaktoren im Bau, das ist annähernd die Hälfte aller globalen Neubauprojekte. Analysten gehen davon aus, dass China die USA bei der installierten Gesamtkapazität bereits um das Jahr 2030 überholen könnte.

Ausbautempo ohne Vergleich

Derzeit betreibt China rund 55 Reaktoren mit einer Gesamtleistung von etwa 57 Gigawatt. Bis 2035 soll diese Zahl laut chinesischer Energiebehörde auf über 150 Gigawatt steigen. Zum Vergleich: Die USA verfügen aktuell über etwa 94 Gigawatt Kapazität, bauen aber kaum neue Anlagen, die meisten laufenden US-Reaktoren sind mehrere Jahrzehnte alt.

Das chinesische Tempo zeigt sich auch in der Bauzeit. Während in Europa und den USA Neubauprojekte oft zehn bis fünfzehn Jahre dauern, wie etwa beim finnischen Reaktor Olkiluoto 3, meldet China durchschnittliche Bauzeiten von sechs bis sieben Jahren. Möglich wird das durch standardisierte Reaktordesigns, staatliche Planungssicherheit und eine durchgehende heimische Lieferkette.

Eigene Reaktortechnologie als Exportgut

Zentral für die chinesische Strategie ist der Reaktortyp Hualong One, eine im eigenen Land entwickelte Technologie der dritten Generation. Er wird nicht nur in China selbst gebaut, sondern bereits nach Pakistan und Argentinien exportiert. Damit positioniert sich China als Anbieter kompletter Kernkraftwerke, inklusive Finanzierung, ein Modell, das teils an die Logik der Belt and Road Initiative erinnert.

Parallel investiert Peking in Forschung zu Small Modular Reactors (SMR) und in die vierte Reaktorgeneration, etwa Hochtemperaturreaktoren mit Kieselbett-Technologie, wie sie im Kraftwerk Shidao Bay bereits kommerziell betrieben werden. China meldet laut Angaben nationaler Forschungsinstitute regelmäßig neue Patente in diesem Bereich.

Versorgungssicherheit als treibendes Motiv

Der Ausbau ist eng mit Chinas Energiebedarf verknüpft. Das Land deckt aktuell noch rund 55 Prozent seines Strombedarfs aus Kohle, will diesen Anteil aber schrittweise senken. Kernenergie gilt dabei, anders als Wind- und Solarenergie, als grundlastfähige Alternative, die unabhängig von Wetterbedingungen konstant Strom liefert.

Zugleich verringert der Ausbau die Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern. China ist der weltweit größte Importeur von Erdöl und Flüssiggas, ein Ausbau der heimischen Kernenergie reduziert diese Importquote langfristig und stärkt die energiepolitische Eigenständigkeit des Landes.

Für Europa und auch für Österreich ist diese Entwicklung vor allem industriepolitisch relevant. Während in der EU der Ausbau der Kernenergie uneinheitlich verläuft, Frankreich setzt stark darauf, Deutschland ist ausgestiegen, Österreich bleibt ablehnend, entsteht in Asien ein neuer globaler Anbieter von Reaktortechnologie und Bauleistung.

Europäische Unternehmen wie der französische Konzern EDF oder das deutsch-französische Konsortium Framatome könnten künftig stärker mit chinesischen Anbietern um Aufträge in Drittstaaten konkurrieren, etwa in Südostasien oder Afrika, wo der Bedarf an neuer Energieinfrastruktur wächst. Die entscheidende Frage für die kommenden Jahre wird sein, ob Europa im globalen Wettbewerb um Reaktorexporte technologisch und preislich mithalten kann.

Quelle: chinaobservers | Originalartikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

YANUS Abo

Exklusive Analysen und Hintergrundberichte zu Europa, China und den Weltregionen, über die sonst zu wenig berichtet wird. Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus aus Wien.

5 €/Monat: Jetzt abonnieren
© 2026 YANUS · Alle Rechte vorbehalten
Die zwei Seiten der Macht
Vertrauliche Hinweise