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WAICO: Chinas neue KI-Organisation und Europas Balanceakt

Shanghai als neuer Standort für globale KI-Governance: Was die Gründung der World Artificial Intelligence Cooperation Organization für europäische Unternehmen bedeutet.

WAICO: Chinas neue KI-Organisation und Europas Balanceakt

Wien, 12. September 2026. Im Juli dieses Jahres gründete China in Shanghai die World Artificial Intelligence Cooperation Organization (WAICO), eine neue internationale Institution, die Standards, Regeln und Partnerschaften für den Einsatz Künstlicher Intelligenz mitgestalten soll.

Die Initiative reiht sich in ein größeres Muster ein: Sowohl Peking als auch Washington positionieren sich zunehmend als Anbieter konkurrierender technologischer Ökosysteme, von Halbleiter-Lieferketten über KI-Modelle bis zu internationalen Regulierungsrahmen. Für Europa, das in beiden Bereichen weder über die Rechenkapazitäten der USA noch über die staatlich koordinierte Industriepolitik Chinas verfügt, stellt sich die Frage nach der eigenen Positionierung neu.

Zwei Systeme, zwei Standards

Die WAICO tritt neben bereits bestehende internationale Foren wie die von den Vereinten Nationen unterstützten KI-Dialoge und die von den USA dominierten Standardisierungsgremien im Bereich Chip-Design und Cloud-Infrastruktur.

China verfolgt dabei einen Ansatz, der Entwicklungsländern gezielt Technologietransfer und Trainingsprogramme anbietet, ähnlich der Logik der Belt and Road Initiative (BRI), die seit 2013 über 150 Ländern Infrastrukturprojekte im Gesamtvolumen von schätzungsweise einer Billion US-Dollar vermittelt hat.

Die USA setzen dagegen auf Exportkontrollen für fortschrittliche Halbleiter, etwa durch die im Oktober 2022 verschärften Regelungen des US-Handelsministeriums gegenüber chinesischen Chipherstellern. Beide Ansätze zielen darauf ab, technologische Standards und damit auch wirtschaftliche Abhängigkeiten zu prägen.

Die Rolle der Rechenzentren und Chipfabriken

Hinter der diplomatischen Fassade steht ein handfester industrieller Wettlauf. China investierte laut Angaben des chinesischen Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie 2025 rund 140 Milliarden US-Dollar in den heimischen Ausbau von KI-Recheninfrastruktur, während taiwanesische Auftragsfertiger wie TSMC weiterhin einen Marktanteil von über 60 Prozent bei fortschrittlichen Prozessorchips halten.

SMIC, Chinas größter Chiphersteller, konnte 2025 erstmals in größerem Umfang 7-Nanometer-Chips fertigen, bleibt aber bei den modernsten Fertigungsverfahren unter 3 Nanometern von ausländischer Ausrüstung, etwa von der niederländischen ASML, abhängig. Diese wechselseitigen Abhängigkeiten prägen auch die europäische Debatte über den European Chips Act, der bis 2030 einen globalen Marktanteil von 20 Prozent bei Halbleitern anstrebt.

Europas Position zwischen den Polen

Die EU-Kommission verfolgt mit dem AI Act, der seit August 2024 schrittweise in Kraft tritt, einen dritten regulatorischen Weg, der sich von sowohl chinesischen als auch US-amerikanischen Ansätzen unterscheidet. Gleichzeitig bleibt Europa in der praktischen Anwendung auf Technologie aus beiden Räumen angewiesen, etwa bei Grafikprozessoren von Nvidia oder bei Sprachmodellen, die auf chinesischen Open-Source-Modellen wie DeepSeek basieren.

Österreichische Forschungseinrichtungen, darunter das Institute of Science and Technology Austria (ISTA) und die TU Wien, kooperieren in einzelnen KI-Forschungsprojekten sowohl mit US-amerikanischen als auch mit chinesischen Universitäten, ohne dass sich daraus bislang eine klare außenpolitische Festlegung Österreichs ableiten ließe.

Für europäische und österreichische Unternehmen ergeben sich aus dieser Konstellation konkrete praktische Fragen: Infineon in Villach etwa beliefert sowohl chinesische als auch US-amerikanische Kunden mit Leistungshalbleitern und ist damit unmittelbar von Exportkontrollen beider Seiten betroffen. Der österreichische Sensor- und Halbleiterhersteller ams OSRAM bezieht Vorprodukte aus asiatischen Lieferketten, während heimische Softwareunternehmen zunehmend vor der Entscheidung stehen, auf welchen KI-Modellen sie ihre Anwendungen aufbauen. Die Wirtschaftskammer Österreich bezifferte den Außenhandel mit China 2025 auf ein Volumen von rund 13,8 Milliarden Euro, ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr, der teilweise auf globale Lieferkettenverschiebungen zurückgeführt wird.

Quelle: chinaobservers | Originalartikel

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