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Ukrainische Geflüchtete bringen Polens Wirtschaft enorme Vorteile

Ukrainische Kriegsgeflüchtete leisten inzwischen einen bedeutenden Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg Polens. Sie sind zunehmend in den Arbeitsmarkt integriert, verdienen mehr und tragen zur Finanzierung des Sozial- und Gesundheitssystems bei. Eine neue Studie zeigt, wie stark die polnische Wirtschaft davon profitiert.

Ukrainische Geflüchtete bringen Polens Wirtschaft enorme Vorteile

Ukrainische Kriegsgeflüchtete tragen inzwischen viel zum Erfolg der polnischen Wirtschaft bei.

Laut einer am 1. Oktober 2026 veröffentlichten Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte im Auftrag des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR trugen ukrainische Kriegsgeflüchtete im Jahr 2025 rechnerisch rund 94 Milliarden Złoty, umgerechnet etwa 22 Milliarden Euro, beziehungsweise 2,4 Prozent zum polnischen Bruttoinlandsprodukt bei.

Dabei handelt es sich um eine makroökonomische Modellrechnung, die neben der unmittelbaren wirtschaftlichen Leistung der Geflüchteten auch indirekte Effekte aus Erwerbstätigkeit, Konsum und Produktivität berücksichtigt.

Die Summe ist daher nicht mit den Steuerzahlungen oder Sozialversicherungsbeiträgen der Geflüchteten gleichzusetzen.

Hintergrund

Seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine im Februar 2022 hat Polen zeitweise die größte Zahl ukrainischer Geflüchteter in der Europäischen Union aufgenommen. Millionen Menschen überquerten in den ersten Kriegsmonaten die Grenze, ein erheblicher Teil blieb dauerhaft im Land.

Polen reagierte mit einem vergleichsweise offenen Arbeitsmarktzugang, der es Geflüchteten rasch ermöglichte, legal einer Beschäftigung nachzugehen. Diese Entscheidung unterscheidet sich von Modellen in anderen EU-Staaten, in denen bürokratische Hürden den Arbeitsmarktzugang länger verzögerten.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Geflüchteten ist inzwischen erheblich. Bereits für 2024 hatte Deloitte ihren Beitrag zum polnischen Bruttoinlandsprodukt auf 2,7 Prozent geschätzt. Für 2025 liegt der modellierte Anteil bei 2,4 Prozent.

Neue Fakten

Aktuelle Daten zeigen, dass die Beschäftigungsquote ukrainischer Geflüchteter in Polen innerhalb eines Jahres von 69 auf 76 Prozent gestiegen ist. Damit sind mittlerweile rund drei Viertel der untersuchten Geflüchteten dieser Altersgruppe berufstätig.

Arbeit ist zugleich die mit Abstand wichtigste Einkommensquelle ukrainischer Flüchtlingshaushalte in Polen und macht rund 87 Prozent ihrer gesamten Haushaltseinkommen aus.

Auch die Einkommensentwicklung ist bemerkenswert: Zwischen 2023 und 2025 stieg das mittlere Nettogehalt ukrainischer Geflüchteter laut der Studie um rund 45 Prozent. Das deutet auf eine zunehmende wirtschaftliche Integration und verbesserte Verdienstmöglichkeiten hin.

Auffällig ist das hohe Bildungsniveau der Geflüchteten: 62 Prozent der untersuchten Personen im erwerbsfähigen Alter verfügen über einen Hochschulabschluss. Dennoch arbeitet ein erheblicher Teil in Berufen, die nicht dem vorhandenen Qualifikationsniveau entsprechen.

Nur 29 Prozent der untersuchten Beschäftigten sind in Führungspositionen, akademischen Berufen oder technischen Funktionen beschäftigt. Unter den ukrainischen Beschäftigten mit Flüchtlingsstatus üben 38 Prozent einfache Tätigkeiten aus, etwa in der Logistik, Gastronomie oder im Reinigungsgewerbe.

Die Ergebnisse zeigen, dass Polen zwar bei der Integration in den Arbeitsmarkt erhebliche Fortschritte erzielt hat, die beruflichen Qualifikationen vieler Geflüchteter aber noch nicht vollständig genutzt werden.

Auch im Gesundheitssystem zeigt sich ein positiver Finanzierungssaldo: Die Krankenversicherungsbeiträge ukrainischer Geflüchteter überstiegen im Jahr 2025 die vom polnischen Nationalen Gesundheitsfonds für sie finanzierten Gesundheitsleistungen um rund 50 Millionen Złoty, umgerechnet etwa 11,6 Millionen Euro.

Keine nachweisbare Verdrängung polnischer Arbeitnehmer

Ein besonders interessantes Ergebnis der Studie betrifft die Auswirkungen auf den heimischen Arbeitsmarkt.

Die Untersuchung fand keine Hinweise darauf, dass die zunehmende Beschäftigung ukrainischer Geflüchteter die Beschäftigungschancen polnischer Arbeitnehmer verschlechtert hätte.

Damit widersprechen die Ergebnisse der verbreiteten Annahme, dass eine starke Zuwanderung zwangsläufig zu einer Verdrängung einheimischer Arbeitskräfte führt.

Vielmehr deutet die Untersuchung darauf hin, dass die Integration ukrainischer Geflüchteter zusätzliche wirtschaftliche Aktivitäten ermöglicht und zur Deckung des Arbeitskräftebedarfs beigetragen hat. Aus dem Fehlen nachweisbarer Verdrängungseffekte lässt sich allerdings nicht ableiten, dass es in einzelnen Branchen oder Regionen keinerlei Konkurrenz um Arbeitsplätze gibt.

Langfristige Bedeutung für den Arbeitsmarkt

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die ukrainische Präsenz zunehmend von einer kurzfristigen humanitären Herausforderung zu einem strukturellen Faktor der polnischen Wirtschaft entwickelt.

Viele ukrainische Geflüchtete haben inzwischen eine Beschäftigung gefunden, verfügen über regelmäßige Einkommen und nehmen dauerhaft am wirtschaftlichen Leben teil. Ihre Integration gewinnt damit auch für Unternehmen, Kommunen und öffentliche Einrichtungen an Bedeutung.

Gleichzeitig bleibt die bessere Nutzung vorhandener Qualifikationen eine wichtige Herausforderung. Insbesondere die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse, Sprachkenntnisse und berufliche Weiterbildung könnten dazu beitragen, dass mehr Geflüchtete entsprechend ihrer Ausbildung beschäftigt werden.

Was Österreich von Polen lernen kann

Die Entwicklung in Polen ist auch für Österreich und andere Mitgliedstaaten der Europäischen Union von Bedeutung. Sie zeigt, welches wirtschaftliche Potenzial eine rasche Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt entfalten kann.

Während in Polen inzwischen 76 Prozent der untersuchten ukrainischen Geflüchteten im erwerbsfähigen Alter beschäftigt sind, lag der Anteil in Österreich laut einer Mitteilung des Bundeskanzleramts vom Februar 2026 bei rund 50 Prozent. Die Zahlen beruhen auf unterschiedlichen Erhebungsmethoden und sind daher nur eingeschränkt vergleichbar. Dennoch zeigen sie, dass Österreich bei der Arbeitsmarktintegration ukrainischer Vertriebener weiteres Potenzial hat.

Besonders bemerkenswert ist das hohe Bildungsniveau der ukrainischen Geflüchteten in Polen. Trotz einer Hochschulabschlussquote von 62 Prozent arbeitet ein erheblicher Teil in einfachen Tätigkeiten. Damit stellt sich auch für Österreich die Frage, wie ausländische Bildungsabschlüsse schneller anerkannt und vorhandene Qualifikationen besser genutzt werden können.

Die polnischen Erfahrungen verdeutlichen, dass eine erfolgreiche Flüchtlingspolitik nicht nur an der Bereitstellung von Unterkunft und Sozialleistungen gemessen werden sollte. Entscheidend ist auch, wie rasch Menschen Zugang zu Beschäftigung erhalten und ihre Fähigkeiten produktiv einsetzen können.

Polen zeigt, dass die wirtschaftliche Integration von Kriegsgeflüchteten nicht nur eine gesellschaftliche und humanitäre Aufgabe ist, sondern auch einen erheblichen Beitrag zu Wachstum, Beschäftigung und öffentlichen Finanzen leisten kann.

Zitierte Quelle:

Deloitte / UNHCR: Analysis of the Impact of Refugees from Ukraine on the Economy of Poland, 3. Ausgabe, Oktober 2026.

Link zur Studie

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