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„Forrest Gump“ – eine große Korruptionssaga in der Ukraine – Teil 1: Die wunderbare Anteilsvermehrung bei Metrobud

"Forrest Gump" erzählt Geschichten über die Korruption in der Ukraine

„Forrest Gump“ – eine große Korruptionssaga in der Ukraine – Teil 1: Die wunderbare Anteilsvermehrung bei Metrobud

Ein Aktienpaket von exakt 698.378 Aktien wechselt zunächst den Besitzer.

Wenige Monate später ist es nicht mehr separat sichtbar – und Mykyta Tarkovskyi hält plötzlich die Mehrheit von Metrobud.

Kurz darauf tauchen er, ein weiterer Großaktionär und das Unternehmen selbst im Umfeld der Ermittlungen der ukranischen Antikorruptionsbehörden mit den Codenamen „Forrest Gump“ und „Themis“ auf.

Manchmal steckt die interessanteste Geschichte nicht in einer geheimen Tonaufnahme.

Sondern in einer Tabelle.

Im ukrainischen staatlichen Emittentenregister SMIDA lässt sich die Eigentümerstruktur des Bauunternehmens PrJSC Metrobud, mit der ukrainischen Firmenbuchnummer (EDRPOU 32961977), Quartal für Quartal rekonstruieren.

Und eine Zahl zieht sich dabei wie ein roter Faden durch die Registerhistorie:

698.378 Aktien – 25,8659 Prozent.

Das Paket wandert

Ende 2024 gehörten diese 698.378 Aktien Radion Kravchenko.

Daneben hielten:

Mykyta Tarkovskyi: 675.002 Aktien – 25,0001 %

Valentyn Yelizarov: 677.322 Aktien – 25,0860 %

T&A Industries Ltd, Dominica: 410.192 Aktien – 15,1923 %

SMIDA dokumentiert diese Struktur offiziell.

Im ersten Quartal 2025 erschien dasselbe Paket von exakt 698.378 Aktien plötzlich unter einem anderen Namen:

Oleksandr Puzenko – 25,8659 Prozent.

Tarkovskyis Paket blieb gleichzeitig unverändert bei 675.002 Aktien beziehungsweise 25,0001 Prozent.

Dann passierte etwas Entscheidendes.

2026: 25 Prozent wurden plötzlich zu 50,87 Prozent

Im ersten Quartal 2026 verschwand Puzenkos 25,8659-Prozent-Paket aus der Liste der Großaktionäre.

Stattdessen meldete SMIDA für Mykyta Tarkovskyi plötzlich:

1.373.380 Aktien – 50,8659 Prozent.

Die Rechnung ist exakt:

675.002 + 698.378 = 1.373.380.

Oder in Prozent:

25,0001 + 25,8659 = 50,8659.

Auch im zweiten Quartal 2026 blieb Tarkovskyi mit 50,8659 Prozent Mehrheitsaktionär. Valentyn Yelizarov hielt weiterhin 25,0860 Prozent.

Damit ist ein Punkt keine Interpretation, sondern ein Faktum im Register:

Das frühere 25,8659-Prozent-Paket wurde spätestens zwischen Ende 2025 und dem ersten Quartal 2026 in Tarkovskyis Beteiligung konsolidiert.

Was öffentlich nicht sichtbar ist, ist ebenso wichtig:

Es gibt in den frei zugänglichen SMIDA-Daten keinen Kaufvertrag, keinen veröffentlichten Preis und keine Erklärung dafür, auf welcher wirtschaftlichen Grundlage die Übertragung erfolgte.

Dann kommt „Forrest Gump“

Nur wenige Monate später beginnt eine völlig andere Geschichte.

Am 20. August 2026 erklärten die beiden Antikorruptionsbehörden NABU und SAPO, sie hätten eine mutmaßliche kriminelle Organisation aufgedeckt, die nach Darstellung der Ermittler unter anderem auf die rechtswidrige Übernahme wertvoller Immobilien und Unternehmensvermögen sowie auf Geldwäsche ausgerichtet gewesen sein soll.

Nach Angaben der NABU sollen Beteiligte im Herbst 2025 zwei Unternehmen mit Vermögenswerten von insgesamt 248 Millionen Hrywnja übernommen haben. Bei einem Objekt sei es um Immobilien in der Innenstadt von Kyjiw mit einem Wert von mehr als 500 Millionen Hrywnja gegangen. Im Mai 2026 sei außerdem versucht worden, weitere Immobilien im Wert von mehr als 207 Millionen Hrywnja zu übernehmen.

Im Gerichtssaal wurden anschließend auch Namen und Rollen genannt.

Nach Darstellung des SAPO-Staatsanwalts soll Valentyn Yelizarov, der zugleich rund ein Viertel von Metrobud hält, als faktischer Leiter des Unternehmens agiert und operative Aufgaben innerhalb der untersuchten Struktur übernommen haben. Ihm wurde im Rahmen der Ermittlerdarstellung unter anderem die Koordinierung von nominellen Geschäftsführern und eine Rolle bei der Legalisierung von Geldern im Juni 2026 zugeschrieben.

Auch Mykyta Tarkovskyi wurde im Gericht als eine Person genannt, die nach Darstellung der Anklage mit Mykytas verbunden war.

Das sind Vorwürfe der Ermittlungsbehörden.

Es gilt die Unschuldsvermutung.

Doch sie treffen auf eine Eigentümerstruktur, die unmittelbar zuvor grundlegend verändert wurde.

75,95 Prozent in zwei Händen

Nach dem Registerstand für Q1 und Q2 2026 halten:

Tarkovskyi: 50,8659 %

Yelizarov: 25,0860 %

Zusammen: 75,9519 Prozent von Metrobud.

Das ist journalistisch deshalb relevant, weil der eine nach der Veränderung Mehrheitsaktionär ist und der andere von der Staatsanwaltschaft als faktischer Unternehmensleiter und operativer Akteur der untersuchten Struktur bezeichnet wird.

Noch einmal: Die Beteiligungen beweisen keine Straftat.

Aber sie machen die zeitliche Abfolge erklärungsbedürftig.

Metrobud ist keine isolierte Insel

Die neue Ermittlung betrifft nach Darstellung von NABU und SAPO nicht nur Geldbewegungen.

Sie betrifft auch Unternehmensvermögen, Immobilien, Register und gerichtliche beziehungsweise administrative Entscheidungen.

Genau hier wird das wirtschaftliche Umfeld von Maksym Mykytas relevant.

Mykytas war über Jahre eng mit der ukrainischen Bauwirtschaft und dem Ukrbud-Komplex verbunden.

Nun erscheinen in der neuen Ermittlung erneut Baugesellschaften, Immobilienrechte und Personen aus diesem weiteren wirtschaftlichen Umfeld.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob man aus jeder historischen Verbindung eine direkte „Mafia-Linie“ zeichnen kann.

Das kann man nicht.

Die interessantere Frage lautet:

Wurden ältere Unternehmens- und Personenstrukturen für neue wirtschaftliche Operationen wiederverwendet?

Die sauberste Spur ist die Aktie

Gerade deshalb ist die Metrobud-Geschichte so stark.

Sie braucht zunächst keine geheimen Quellen.

Keine anonymen Insider.

Keine Interpretation einer abgehörten Unterhaltung.

Sie beginnt mit drei offiziellen Registerständen:

Q4 2024: Kravchenko 698.378 Aktien.

Q1 2025: Puzenko 698.378 Aktien.

Q1 2026: Tarkovskyi besitzt zusätzlich genau diese Größenordnung.

Das ist eine nachprüfbare Bewegung.

Die offene Frage ist nicht: Hat sich die Eigentümerstruktur verändert?

Das hat sie.

Die Fragen lauten:

Wer initiierte die Übertragung?

Zu welchem Preis?

Auf welcher Vertragsgrundlage?

Und warum wurde ausgerechnet vor den Ereignissen des Sommers 2026 aus einem 25-Prozent-Aktionär der Mehrheitsaktionär von Metrobud?

Solange diese Dokumente fehlen, bleibt die Antwort offen.

Aber die Frage selbst steht jetzt im Register.

Belege

Dokumentiert: SMIDA-Eigentümerstände, Aktienzahlen und Prozentwerte.

Ermittlerdarstellung: Rollen von Yelizarov, Tarkovskyi, Mykytas und weiteren Personen im Komplex „Forrest Gump/Themis“.

Nicht belegt: dass die Aktienübertragung Teil einer Straftat war oder für die untersuchten Vorgänge durchgeführt wurde.

Offene Dokumente: Übertragungsvertrag, Preis, Zahlungsweg, wirtschaftliche Begründung und gegebenenfalls Beschlüsse der Gesellschaft.

Für alle Beschuldigten und genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung. Beteiligungen an Unternehmen und geschäftliche Beziehungen stellen für sich genommen keinen Beweis strafbaren Handelns dar.

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