Schadsoftware ab Werk: Billig-Smartphones mit Malware in 150 Ländern
Bitdefender-Forscher fanden Schadcode direkt in der Firmware von Android-Geräten, auch in Deutschland. Entfernen lässt er sich kaum.
Sicherheitsforscher des rumänischen Unternehmens Bitdefender haben eine Schadsoftware identifiziert, die nicht nachträglich installiert, sondern bereits werkseitig in der Firmware preisgünstiger Android-Smartphones verankert ist.
Betroffene Geräte wurden in rund 150 Ländern registriert, darunter auch Deutschland. Damit rückt ein Problem in den Fokus, das klassische Antiviren-Lösungen kaum lösen können.
Tief im System verankert
Da sich die Malware in der Firmware befindet, also jener Software-Ebene, die noch vor dem eigentlichen Betriebssystem geladen wird, überlebt sie selbst ein Zurücksetzen auf Werkseinstellungen.
Herkömmliche Schutzprogramme setzen auf der Betriebssystem-Ebene an und erreichen die tiefer liegende Firmware gar nicht. Betroffene Nutzer können den Schädling daher in der Regel nicht selbst entfernen.
Weitreichender Zugriff für Angreifer
Nach Angaben der Bitdefender-Forscher ermöglicht die Schadsoftware weitreichende Zugriffe auf die infizierten Geräte. Dazu zählen laut den Sicherheitsexperten unter anderem das Mitlesen von Daten und die Fernsteuerung einzelner Gerätefunktionen.
Konkrete Hersteller oder Modellreihen wurden in der bisherigen Veröffentlichung nicht im Detail benannt.
Betroffen sind vor allem Billiggeräte
Auffällig ist, dass sich das Problem vor allem bei Smartphones im unteren Preissegment zeigt. Solche Geräte werden häufig von kleineren Herstellern produziert, die Komponenten und Firmware-Bausteine von Drittanbietern zukaufen. Genau an dieser Schnittstelle in der Lieferkette vermuten die Forscher den Ursprung der Infektionen.
Unsere Verbraucher sollten beim Kauf von Billig-Smartphones, etwa über Online-Marktplätze aus dem außereuropäischen Raum, erhöhte Vorsicht walten lassen. Die Europäische Union reguliert Produktsicherheit und Cybersicherheit von vernetzten Geräten unter anderem über den Cyber Resilience Act, der schrittweise in Kraft tritt und Hersteller zu Sicherheitsstandards verpflichtet.
Bitdefender mit Hauptsitz in Bukarest ist einer der größten europäischen Anbieter von IT-Sicherheitslösungen und beliefert auch zahlreiche Unternehmen und Behörden in Österreich und Deutschland.
Quelle: DiePresse.com – Home | Originalartikel