Donnerstag, 16. Juli 2026
DE | EN | UA
FBXIG
China & AsienNews

Pest-Ursprung: Neue Funde verschieben Geschichte um 200 Jahre

Wien, 18. June 2026 – Ein internationales Forscherteam hat den bislang ältesten Nachweis der Pest erbracht und damit die dokumentierte Geschichte dieser Seuche um rund 200 Jahre nach hinten verschoben. Die Entdeckung zeigt, dass das Bakterium Yersinia pestis bereits vor etwa 5.500 Jahren Menschen infizierte – deutlich früher als bisher angenommen.

Genetische Spurensuche in bronzezeitlichen Gräbern

Die Wissenschaftler analysierten DNA-Proben aus menschlichen Überresten, die in Zentralasien gefunden wurden. Dabei konnten sie genetische Signaturen des Pest-Erregers isolieren, die auf eine aktive Infektion zum Todeszeitpunkt hindeuten. Die bisherige wissenschaftliche Annahme datierte die frühesten Pest-Fälle auf etwa 5.300 Jahre vor unserer Zeit. Die neuen Erkenntnisse verschieben diesen Zeitrahmen erheblich und deuten darauf hin, dass die Krankheit möglicherweise bereits in der späten Jungsteinzeit grassierte. Das Forscherteam betont, dass das Verständnis der Krankheitsgeschichte zentral für die Einordnung menschlicher Entwicklung sei.

Handelsrouten als Seuchenkorridore

Besonders relevant für die europäische Geschichte ist die geografische Dimension der Funde. Die Entdeckungsorte liegen entlang antiker Handelsrouten, die Zentralasien mit dem Schwarzmeerraum und letztlich mit Europa verbanden. Diese Korridore dienten offenbar nicht nur dem Warenaustausch, sondern auch der Verbreitung von Krankheitserregern. Die Pest erreichte Europa nachweislich mehrfach über östliche Routen – am verheerendsten während des Schwarzen Todes im 14. Jahrhundert, der schätzungsweise 30 bis 60 Prozent der europäischen Bevölkerung auslöschte. Die neuen Funde legen nahe, dass diese Übertragungswege weitaus älter sind als bisher dokumentiert.

Moderne Medizin gegen uralten Feind

Trotz ihrer langen Geschichte mit der Menschheit ist die Pest heute keine Todesursache mehr – zumindest dort, wo moderne Medizin verfügbar ist. Antibiotika können die Infektion effektiv behandeln, wenn sie rechtzeitig verabreicht werden. Dennoch registriert die Weltgesundheitsorganisation WHO jährlich zwischen 1.000 und 2.000 Pest-Fälle weltweit, hauptsächlich in Madagaskar, der Demokratischen Republik Kongo und Peru.

Einordnung für österreichische Leser

Für Österreich haben diese Erkenntnisse vor allem historische Relevanz. Die Pest prägte auch die heimische Geschichte nachhaltig – die Wiener Pestsäule am Graben erinnert bis heute an die Epidemie von 1679, die in der Hauptstadt etwa 12.000 Menschen das Leben kostete. Die neuen Forschungsergebnisse aus Asien zeigen nun, dass die Wurzeln dieser Seuche noch tiefer in die Menschheitsgeschichte reichen als gedacht. Für die medizinische Forschung in Österreich, etwa am Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie der MedUni Wien, liefern solche paläogenetischen Studien wertvolle Daten über die Evolution von Krankheitserregern. Die letzte in Österreich gemeldete Pest-Infektion liegt Jahrzehnte zurück – das Bakterium Yersinia pestis jedoch begleitet die Menschheit seit mindestens 55 Jahrhunderten.

Quelle: World – South China Morning Post | Originalartikel

YANUS Redaktion

Redaktion YANUS | Politik. Wirtschaft. Hintergründe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

© 2026 YANUS · Alle Rechte vorbehalten
Vertrauliche Hinweise