Peking testet Highspeed-Internet aus dem All
Wien, 11. June 2026 – China hat am Donnerstag einen neuen Testsatelliten ins All geschickt, der die Grundlage für deutlich schnellere und zuverlässigere Satellitenkommunikation legen soll. Der Start vom Weltraumbahnhof Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan markiert einen weiteren Schritt im globalen Rennen um die Vorherrschaft bei Kommunikationsnetzen der nächsten Generation.

Trägerrakete Long March 5 bringt Testplattform in den Orbit
Um 15:30 Uhr Ortszeit hob eine Rakete vom Typ Langer Marsch 5 mit dem Kommunikationstechnologie-Testsatelliten Nr. 25 an Bord ab. Nach Angaben des staatlichen Fernsehens soll der Satellit vor allem Technologien für Multiband- und Hochgeschwindigkeits-Kommunikation im Orbit validieren. Die konkret angestrebten Datenraten wurden nicht genannt, Experten vermuten jedoch Tests im Bereich von mehreren Gigabit pro Sekunde. Die Long March 5 zählt zu Chinas leistungsstärksten Trägerraketen und wird regelmäßig für strategisch wichtige Missionen eingesetzt.
Chinas Ambitionen im Satelliteninternet wachsen
Der neue Testsatellit ist Teil einer breiteren Strategie Pekings, eine eigene Megakonstellation für globales Internet aufzubauen. Das Projekt Guowang sieht fast 13.000 Satelliten vor und gilt als direkte Antwort auf das amerikanische Starlink-Netzwerk von SpaceX. Während Starlink bereits über 6.000 aktive Satelliten betreibt, befindet sich Chinas System noch in der Aufbauphase. Die jetzt getesteten Technologien könnten die Datenübertragung zwischen Satelliten sowie zur Erde erheblich beschleunigen. Für ein funktionierendes Megakonstellation-Netzwerk ist diese Geschwindigkeit entscheidend.
Was bedeutet das für Europa und Österreich?
Die EU verfolgt mit dem Iris²-Projekt ebenfalls den Aufbau einer eigenen Satellitenkonstellation, hinkt aber zeitlich hinterher. Für österreichische Unternehmen ergeben sich daraus zwei Szenarien: Einerseits könnten chinesische Anbieter künftig günstige Alternativen für Satellitenkommunikation anbieten, etwa für die Logistikbranche oder ländliche Regionen mit schwacher Internetanbindung. Andererseits wachsen die Bedenken hinsichtlich Datensicherheit bei Nutzung chinesischer Infrastruktur. Österreichische Zulieferer der europäischen Raumfahrtindustrie, etwa im Bereich Präzisionsoptik, könnten von einem verstärkten europäischen Engagement profitieren.
Die zwei Seiten der Macht
Chinas Satellitentest demonstriert beeindruckende technologische Fähigkeiten. Das Land hat seinen Rückstand bei der Raumfahrt in den vergangenen zwei Jahrzehnten drastisch verkürzt. Gleichzeitig wirft die Entwicklung Fragen auf: Wird künftiges globales Internet von zwei oder drei Supermächten kontrolliert? Welche Abhängigkeiten entstehen für kleinere Staaten? Die fehlende Transparenz bei militärischen Anwendungen der Technologie verstärkt die Skepsis westlicher Beobachter. Europa steht vor der Wahl zwischen pragmatischer Kooperation und strategischer Eigenständigkeit, die allerdings Milliarden kostet.
Quelle: China – South China Morning Post | Originalartikel