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Kinahan-Kartell: Wie Dubai einem Drogenboss Schutz gewährt

Bellingcat-Recherche zeigt: Der gesuchte Clanchef lebt seit Jahren unbehelligt am Golf, sein Visum wurde gerade erneuert

Kinahan-Kartell: Wie Dubai einem Drogenboss Schutz gewährt

Laut einer gemeinsamen Recherche von Bellingcat und der Sunday Times lebt ein zentraler Kopf des irischen Kinahan-Kartells seit rund zehn Jahren in Dubai, obwohl er international per Haftbefehl gesucht wird. Der Bericht dokumentiert, dass sein Aufenthaltstitel in den Vereinigten Arabischen Emiraten erst kürzlich verlängert wurde. Die Recherche wirft ein Schlaglicht darauf, wie Dubai seit Jahren als Rückzugsort für Personen dient, gegen die in Europa und den USA schwerste Vorwürfe erhoben werden.

Hintergrund

Das Kinahan-Kartell gilt als eine der einflussreichsten Organisationen im internationalen Kokainhandel mit Wurzeln in Dublin. Die USA haben 2022 auf mehrere Führungsfiguren des Netzwerks Kopfgelder von insgesamt bis zu fünf Millionen Dollar ausgesetzt, zeitgleich verhängte das US-Finanzministerium Sanktionen gegen das Kartell. Grossbritannien und Irland führen seit Jahren Ermittlungen wegen Drogenhandels, Geldwäsche und Gewaltverbrechen im Umfeld der Organisation.

Dubai ist seit langem als Anlaufstelle für Personen bekannt, die in ihren Heimatländern strafrechtlich verfolgt werden. Fehlende Auslieferungsabkommen mit zahlreichen Staaten sowie ein Immobilien- und Finanzsystem, das laut mehreren internationalen Berichten wenig Transparenz bei der Herkunft von Vermögen verlangt, machen das Emirat für gesuchte Personen attraktiv.

Neue Fakten

Bellingcat und die Sunday Times werten in ihrer Recherche eigenen Angaben zufolge Dokumente zu Visa und Aufenthaltstiteln aus, die belegen sollen, dass der gesuchte Kartellführer seinen rechtlichen Status in den Emiraten kontinuierlich aufrechterhalten konnte. Dem Bericht zufolge geschah dies trotz der öffentlich bekannten internationalen Fahndungsersuchen und der US-Sanktionen gegen das Netzwerk.

Die Journalisten stellen laut Bellingcat konkrete Fragen an die zuständigen Behörden in Dubai, wie eine Verlängerung des Aufenthaltstitels unter diesen Umständen zustande kommen konnte. Eine öffentliche Stellungnahme der Emirate lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht vor.

Reaktionen

Britische und irische Ermittlungsbehörden haben in der Vergangenheit wiederholt kritisiert, dass Dubai nicht ausreichend mit internationalen Fahndungsersuchen kooperiere. Konkrete Reaktionen der Golfstaaten auf die aktuelle Bellingcat-Recherche liegen bislang nicht vor.

Der Fall reiht sich in eine längere Liste von Recherchen ein, die Dubai als Drehscheibe für Vermögenswerte und Personen aus dem Umfeld organisierter Kriminalität beschreiben. Für europäische Ermittlungsbehörden, auch in Österreich, bleibt die mangelnde Kooperationsbereitschaft von Finanzplätzen ausserhalb der EU eine zentrale Hürde bei der Verfolgung grenzüberschreitender Netzwerke. Solange Aufenthaltstitel und Vermögenswerte in Drittstaaten wie den Emiraten unabhängig von internationalen Haftbefehlen bestehen bleiben, laufen Sanktionen und Fahndungen ins Leere.

Quelle: bellingcat | Originalartikel

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