Pharma-Riesen AstraZeneca und Bristol Myers Squibb prüfen Megafusion
Ein Deal über 400 Milliarden Dollar würde die Pharmalandschaft neu ordnen. Was das für Medikamentenpreise und Arbeitsplätze in Europa bedeuten könnte.
Der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca und der US-Konzern Bristol Myers Squibb führen laut übereinstimmenden Berichten Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss. Der Deal hätte ein Volumen von rund 400 Milliarden Dollar und würde den weltweit viertgrößten Arzneimittelhersteller nach Marktkapitalisierung schaffen. Beide Unternehmen haben sich bislang nicht offiziell zu den Verhandlungen geäußert.
Zwei Schwergewichte der Branche
AstraZeneca beschäftigt weltweit über 90.000 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als 54 Milliarden Dollar, unter anderem mit Krebs- und Diabetesmedikamenten. Bristol Myers Squibb, bekannt für Präparate gegen Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, kam 2023 auf einen Umsatz von rund 45 Milliarden Dollar. Eine Fusion würde ein Unternehmen mit einem kombinierten Jahresumsatz im Bereich von 100 Milliarden Dollar entstehen lassen.
Warum Konsolidierung in der Pharmabranche zunimmt
Große Pharmakonzerne stehen vor dem Auslaufen zahlreicher Patente in den kommenden Jahren, was sie zu Übernahmen und Zusammenschlüssen treibt, um neue Forschungspipelines zu sichern. AstraZeneca hat in den vergangenen Jahren bereits mehrere kleinere Biotech-Firmen übernommen, etwa Alexion Pharmaceuticals im Jahr 2021 für rund 39 Milliarden Dollar. Bristol Myers Squibb wiederum kaufte 2019 Celgene für etwa 74 Milliarden Dollar, um seine Onkologie-Sparte zu stärken.
Folgen für Standorte und Beschäftigung
AstraZeneca betreibt in Österreich keine großen Produktionsstätten, unterhält aber Vertriebs- und Marketingaktivitäten mit mehreren hundert Beschäftigten. Bei Fusionen dieser Größenordnung kommt es in der Regel zu Überschneidungen bei Verwaltung, Vertrieb und Forschung, was mittelfristig auch Standorte in Europa betreffen kann. Konkrete Aussagen zu möglichen Auswirkungen auf österreichische Niederlassungen gibt es bislang nicht.
Für europäische Patienten und Gesundheitssysteme ist die Marktmacht der neuen Pharmariesen von Bedeutung, weil sie Preisverhandlungen mit Krankenkassen und nationalen Gesundheitsbehörden beeinflussen kann. In Österreich verhandelt der Hauptverband der Sozialversicherungsträger die Erstattungspreise für neue Medikamente, ein größerer Konzern mit breiterem Portfolio könnte hier sowohl mehr Verhandlungsspielraum als auch mehr Verhandlungsmacht mitbringen. Die EU-Wettbewerbsbehörde dürfte den Deal im Falle einer offiziellen Ankündigung wegen seiner Größe intensiv prüfen, ähnlich wie bei früheren Pharma-Fusionen dieser Dimension.
Quelle: International homepage | Originalartikel