Kiews Kaukasus-Offensive: Selenskyjs Griff nach Moskaus Hinterhof
Wien, 05. May 2026 – Der Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Jerewan wurde für Kiew zum diplomatischen Erfolg. Präsident Wolodymyr Selenskyj nutzte die Bühne, um Armenien enger an die Ukraine zu binden und gleichzeitig die eingefrorenen Beziehungen zu Georgien wieder aufzutauen. Moskau beobachtet die Entwicklung mit wachsender Nervosität.

Armenien wendet sich von Russland ab
Die Annäherung zwischen Kiew und Jerewan kommt nicht überraschend. Armenien hat in den vergangenen Jahren schmerzlich erfahren, was russische Sicherheitsgarantien wert sind. Der Verlust von Berg-Karabach, die ausbleibende Unterstützung durch CSTO-Partner und die wirtschaftliche Abhängigkeit von Moskau haben tiefe Wunden hinterlassen. Premierminister Nikol Paschinjan sucht nach Alternativen. Die Ukraine bietet sich als Partner an, der ähnliche Erfahrungen mit russischer Aggression gemacht hat. Konkret vereinbarten beide Seiten eine verstärkte Zusammenarbeit in Verteidigungsfragen und beim Austausch von Geheimdienstinformationen. Auch wirtschaftliche Kooperationen stehen auf der Agenda.
Georgien öffnet sich vorsichtig
Komplizierter gestaltet sich das Verhältnis zu Tiflis. Die georgische Regierung unter der Partei Georgischer Traum pflegt ein ambivalentes Verhältnis sowohl zu Moskau als auch zu Brüssel. Der Dialog mit Kiew war seit Kriegsbeginn weitgehend eingefroren. Am Rande des Gipfels kam es nun zu ersten direkten Gesprächen auf hoher Ebene. Georgiens Außenminister signalisierte Bereitschaft, die Beziehungen zu normalisieren. Hintergrund ist auch der wachsende innenpolitische Druck. Die proeuropäische Opposition gewinnt an Stärke, die Bevölkerung blickt mehrheitlich nach Westen. Ein dauerhaftes Zerwürfnis mit der Ukraine würde die EU-Beitrittsambitionen weiter gefährden.
Moskaus schwindender Einfluss
Der Kreml verliert im Südkaukasus an Boden. Die russischen Friedenstruppen in der Region gelten als ineffektiv, wirtschaftliche Druckmittel nutzen sich ab. Gleichzeitig bindet der Krieg in der Ukraine massive Ressourcen. Diese Schwäche nutzt Kiew geschickt aus. Selenskyj präsentiert sein Land als verlässlichen Partner für Staaten, die sich aus der russischen Einflusssphäre lösen wollen. Die Botschaft ist klar: Wer mit Moskau bricht, steht nicht allein da.
Die zwei Seiten der Macht
Kiews Kaukasus-Offensive zeigt diplomatisches Geschick. Die Ukraine nutzt das entstehende Vakuum, um eigene Netzwerke aufzubauen. Doch die Strategie birgt Risiken. Armenien und Georgien sind fragile Partner mit eigenen Problemen. Paschinjan steht innenpolitisch unter Druck, Georgiens Regierung schwankt zwischen Ost und West. Moskau wird die Entwicklung nicht tatenlos hinnehmen. Der Kreml verfügt über genügend Hebel, um beide Länder zu destabilisieren. Für die Ukraine bedeutet das: Jeder diplomatische Erfolg im Kaukasus muss langfristig abgesichert werden. Symbolpolitik allein reicht nicht. Die Region braucht konkrete Unterstützung, wirtschaftliche Perspektiven und verlässliche Sicherheitsgarantien. Ob Kiew das leisten kann, während es selbst um sein Überleben kämpft, bleibt offen.
*YANUS beobachtet die Entwicklung weiter.*
Quelle: Kyiv Post | Originalartikel