Chinesisches Spielestudio S-GAME verschiebt Phantom Blade Zero auf Oktober
*mDer chinesische Spieleentwickler S-GAME hat die Veröffentlichung seines ambitionierten Titels Phantom Blade Zero vom 9. September auf den 29. Oktober verschoben. Die Ankündigung erfolgte während Sonys aktueller State-of-Play-Präsentation und sorgte in der Gaming-Community für intensive Diskussionen über die Strategien chinesischer Studios auf dem globalen Markt.

Dementi aus Shanghai: Keine Flucht vor Rockstar
Nach Bekanntgabe der Verschiebung kursierten in Fachforen und sozialen Medien Vermutungen, S-GAME wolle mit dem neuen Termin einer direkten Konfrontation mit großen September-Releases ausweichen – darunter möglicherweise Titel von Rockstar Games. CEO Liang Qiwei wies diese Interpretationen in einer öffentlichen Stellungnahme zurück. Die zusätzlichen sieben Wochen seien ausschließlich der Qualitätssicherung geschuldet, nicht der Konkurrenzanalyse. Das Studio mit Sitz in Shanghai beschäftigt nach eigenen Angaben rund 200 Entwickler und arbeitet seit 2020 an dem Projekt.
Phantom Blade Zero kombiniert Elemente klassischer chinesischer Wuxia-Erzählungen mit hochgradig reaktionsbasierten Kampfmechaniken. Erste Gameplay-Demonstrationen auf internationalen Messen wie der Gamescom in Köln hatten dem Titel erhebliche Aufmerksamkeit beschert. Branchenanalysten schätzen das Entwicklungsbudget auf umgerechnet 50 bis 80 Millionen Euro – eine Summe, die noch vor fünf Jahren für chinesische Einzelspieler-Produktionen unüblich gewesen wäre.
Chinas Gaming-Industrie drängt auf westliche Märkte
Die Verschiebung fügt sich in ein größeres Muster ein: Chinesische Entwickler positionieren sich zunehmend selbstbewusst im Premium-Segment für Konsolen und PC. Der Überraschungserfolg von Black Myth: Wukong im Jahr 2024 – mit über 20 Millionen verkauften Einheiten innerhalb weniger Monate – hat demonstriert, dass qualitativ hochwertige Produktionen aus der Volksrepublik im Westen konkurrenzfähig sind. S-GAME verfolgt mit Phantom Blade Zero eine ähnliche Strategie: internationale Veröffentlichung, englische Lokalisierung von Beginn an, Präsenz auf Sony-Präsentationen statt ausschließlich auf chinesischen Plattformen.
Der globale Videospielmarkt erreichte 2025 laut Newzoo ein Volumen von 187 Milliarden US-Dollar. China bleibt mit geschätzten 45 Milliarden Dollar der größte Einzelmarkt, doch die Wachstumsraten stagnieren dort aufgrund regulatorischer Einschränkungen bei Jugendschutz und Spielzeitbegrenzungen. Expansion ins Ausland wird für chinesische Studios damit zur wirtschaftlichen Notwendigkeit.
Für unsere Konsumenten bedeutet diese Entwicklung vor allem mehr Auswahl: Der heimische Gaming-Markt mit einem Jahresumsatz von rund 290 Millionen Euro profitiert von der globalen Diversifizierung der Anbieter. Phantom Blade Zero wird zum Release in deutscher Sprache verfügbar sein und über PlayStation, Xbox sowie Steam vertrieben.
Die Verschiebung auf Ende Oktober platziert den Titel strategisch vor dem umsatzstarken Weihnachtsgeschäft – ein Zeitfenster, das traditionell von westlichen Triple-A-Produktionen dominiert wird. S-GAMEs Vorstoß in dieses Territorium markiert einen weiteren Schritt in der Professionalisierung der chinesischen Spieleindustrie, deren Exporte sich seit 2019 auf über 18 Milliarden Dollar jährlich verdoppelt haben.
Quelle: TechNode | Originalartikel