Die Europäische Kommission hat gegen AliExpress, die internationale E-Commerce-Plattform des chinesischen Konzerns Alibaba, eine Geldstrafe in Höhe von 550 Millionen Euro (rund 630 Millionen US-Dollar) verhängt.
Damit handelt es sich um die bisher höchste Strafzahlung seit dem Inkrafttreten des Digital Services Act (DSA) im Jahr 2022.
Systematische Mängel bei Produktsicherheit
Die Brüsseler Behörde wirft AliExpress vor, über einen längeren Zeitraum nicht ausreichend gegen gefälschte und unsichere Produkte auf der Plattform vorgegangen zu sein, was von AliExpress dementiert wird.
Der DSA verpflichtet große Online-Marktplätze dazu, aktiv gegen illegale Inhalte und Waren vorzugehen sowie transparente Beschwerdemechanismen für Verbraucher einzurichten. AliExpress habe diese Anforderungen wiederholt nicht erfüllt, so die Kommission in ihrer Begründung. Konkret geht es um mangelhafte Überprüfungen von Händlern, unzureichende Kennzeichnung von Produkten und fehlende Rückverfolgbarkeit bei Sicherheitsmängeln.
Alibaba kündigt Berufung an
Der Mutterkonzern Alibaba mit Hauptsitz in Hangzhou reagierte zurückhaltend auf die Entscheidung. Ein Unternehmenssprecher erklärte gegenüber chinesischen Medien, man werde die rechtlichen Optionen prüfen und erwäge eine Berufung vor dem Europäischen Gerichtshof.
AliExpress habe in den vergangenen Jahren erhebliche Investitionen in Compliance-Systeme getätigt und arbeite konstruktiv mit den europäischen Behörden zusammen. Die Plattform zählt nach eigenen Angaben über 150 Millionen aktive Nutzer weltweit, wobei Europa einen der wichtigsten Wachstumsmärkte darstellt.
Verschärfter Regulierungsdruck auf chinesische Tech-Konzerne
Die Rekordstrafe reiht sich in eine Serie von Maßnahmen ein, mit denen die EU verstärkt gegen außereuropäische Digitalkonzerne vorgeht. Bereits 2024 hatte die Kommission Untersuchungen gegen Temu und Shein eingeleitet, zwei weitere chinesische Plattformen mit starker Präsenz in Europa. Der DSA gibt der Behörde die Möglichkeit, Strafen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes zu verhängen, bei Alibaba wären das theoretisch mehr als sieben Milliarden Euro.
Was bedeutet das für unsere Verbraucher?
Für Konsumenten in Österreich hat die Entscheidung unmittelbare Relevanz. AliExpress ist hierzulande eine der meistgenutzten Plattformen für günstige Direktimporte aus China, von Elektronik über Kleidung bis zu Haushaltswaren.
Die EU-Strafe könnte AliExpress nun zwingen, seine Kontrollmechanismen noch einmal deutlich zu verschärfen. Für österreichische Händler, die mit der Billigkonkurrenz aus Fernost kämpfen, ist die Entscheidung ein Signal: Die Kommission nimmt die Durchsetzung gleicher Wettbewerbsbedingungen ernst. Der österreichische Handelsverband hatte erst im März 2026 strengere Kontrollen für außereuropäische Online-Marktplätze gefordert. Die 630 Millionen Dollar Strafe entsprechen etwa dem dreifachen Jahresbudget der österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde.
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