Stellantis und Renault wollen Großbritannien in EU-Autoschutz einbeziehen
Zwei große Autokonzerne fordern eine Sonderrolle für Großbritannien bei geplanten EU-Regeln für die "Made in Europe" Regelungen
Die Spitzen von Stellantis und Renault haben sich dafür ausgesprochen, Großbritannien in die geplante „Made in Europe“-Gesetzgebung der EU einzubeziehen. Emanuele Cappellano, der bei Stellantis für die europäischen Marken Fiat, Citroën, Opel und Vauxhall verantwortlich ist, sowie François Provost, Vorstandsvorsitzender von Renault, erklärten,
Großbritannien solle für die Zwecke der neuen Regeln faktisch wie einer der 27 EU-Mitgliedstaaten behandelt werden.
Was die „Made in Europe“-Regeln vorsehen
Die EU-Kommission arbeitet an Gesetzesvorschlägen, die europäische Industriezweige, darunter die Automobilbranche, vor Billigimporten aus Drittstaaten schützen sollen. Im Zentrum steht dabei die Frage, welcher Anteil der Wertschöpfung eines Fahrzeugs in Europa stattfinden muss, damit es als „europäisch“ gilt und von möglichen Vorteilen oder Schutzmaßnahmen profitiert. Für Hersteller mit Werken sowohl in der EU als auch in Großbritannien hätte eine Einbeziehung des Vereinigten Königreichs direkte Folgen für Lieferketten und Standortplanung.
Die Position von Stellantis und Renault
Cappellano und Provost argumentieren, dass die enge Verflechtung der britischen und europäischen Automobilindustrie eine gemeinsame Behandlung rechtfertige. Beide Konzerne betreiben Werke im Vereinigten Königreich, etwa Stellantis mit der Produktion von Vauxhall-Fahrzeugen.
Gleichzeitig riefen die beiden Manager die britische Regierung dazu auf, eigene Maßnahmen zur Begrenzung von Importen chinesischer Fahrzeuge zu prüfen, ähnlich den Überlegungen, die in der EU bereits diskutiert werden.
Hintergrund der Debatte um den britischen Markt
Großbritannien steht seit dem Austritt aus der EU vor der Frage, wie es seine Handelsbeziehungen zur EU in sensiblen Industriezweigen wie der Automobilproduktion gestaltet. Eine Einbeziehung in die „Made in Europe“-Regeln würde eine engere Abstimmung zwischen London und Brüssel bedeuten, auch wenn Großbritannien kein EU-Mitglied mehr ist.
Für Österreich als Industriestandort mit einer stark exportorientierten Zulieferindustrie sind Entwicklungen in der europäischen Automobilregulierung von unmittelbarer Bedeutung. Zahlreiche österreichische Zulieferbetriebe beliefern sowohl Stellantis- als auch Renault-Werke in der EU und in Großbritannien.
Die Festlegung, welche Produktionsanteile künftig als „europäisch“ gelten, könnte direkten Einfluss auf Aufträge und Standortentscheidungen österreichischer Zulieferer haben, die Teil der grenzüberschreitenden Lieferketten dieser Konzerne sind.
Quelle: Europe | The Guardian | Оригінальна стаття