Wer wird UNO-Generalsekretär? Das Rennen um den Spitzenposten
Ein chronisch unterfinanziertes und zerstrittenes Gremium sucht neue Führung. Die Entscheidung könnte über die Zukunft der Weltorganisation entscheiden.
Die Suche nach dem nächsten UNO-Generalsekretär oder der nächsten Generalsekretärin hat die entscheidende Phase erreicht. António Guterres, seit 2017 im Amt, muss die Position Ende 2026 abgeben.
Die Wahl gilt als eine der wichtigsten personellen Entscheidungen der Vereinten Nationen seit Jahren, denn die Organisation steht unter erheblichem Druck.
Eine Organisation unter Druck
Die UNO kämpft derzeit mit mehreren Baustellen gleichzeitig: knappe Finanzen, aufgeblähte Bürokratie, Reputationsschäden und interne Grabenkämpfe zwischen den Mitgliedsstaaten.
Richard Gowan, Direktor für globale Fragen und Institutionen bei der International Crisis Group, brachte es pointiert auf den Punkt: Wer diesen Job wolle, brauche fast schon eine psychiatrische Untersuchung, so hoch seien die Anforderungen und der Druck.
Die neue Führungsperson übernimmt eine Organisation, die mit 193 Mitgliedsstaaten koordinieren muss, aber oft an mangelnder Handlungsfähigkeit krankt.
Der Auswahlprozess
Traditionell rotiert das Amt des Generalsekretärs zwischen den Weltregionen, und nach Angaben aus UNO-Kreisen wird diesmal erwartet, dass eine Frau aus Osteuropa den Posten übernehmen könnte, nachdem diese Region noch nie vertreten war
Der Sicherheitsrat mit seinen fünf permanenten Mitgliedern, den USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich, spielt bei der Auswahl eine Schlüsselrolle, da jedes dieser Länder ein Veto gegen Kandidatinnen und Kandidaten einlegen kann.
Österreich wird ab 2027 für 2 Jahre ohne Vetorecht in diesem Gremium vertreten sein. Das Lobbying hat Millionen Euro verschlungen.
Die Generalversammlung bestätigt die Wahl formal, hat aber traditionell wenig Einfluss auf die eigentliche Auswahl.
Warum die Personalie zählt
Der oder die künftige Generalsekretär:in muss zwischen den Großmächten vermitteln, während Konflikte in Nahost, Osteuropa und Afrika die Organisation fordern.
Gleichzeitig sind viele Mitgliedsstaaten mit ihren Beitragszahlungen im Rückstand, was die operative Handlungsfähigkeit der UNO einschränkt. Die USA sind traditionell der größte Beitragszahler zum reguläreren UNO-Budget mit einem Anteil von etwa 22 Prozent, gefolgt von China mit rund 15 Prozent. Fällt ein wichtiger Zahler mit Beiträgen aus, treffen die Folgen die gesamte Organisation, von Friedensmissionen bis zu humanitären Programmen.
Für Österreich, das mit Wien einen der vier UNO-Hauptsitze beherbergt und traditionell aktiver Fürsprecher des Multilateralismus ist, hat die Personalentscheidung direkte Relevanz. Eine handlungsfähige UNO-Zentrale beeinflusst auch die Arbeit der in Wien ansässigen UNO-Organisationen wie der Internationalen Atomenergiebehörde oder des Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung.
Rund 5.000 Menschen arbeiten am UNO-Standort Wien, der zu den wirtschaftlich bedeutendsten internationalen Standorten des Landes zählt. Wie stark die künftige Führung Reformen vorantreibt, wird somit auch für den Wirtschaftsstandort Wien nicht folgenlos bleiben.
Quelle: China – South China Morning Post | Originalartikel