Europas heikle Abhängigkeit von der US-Firma Palantir
Polizei, Geheimdienste, Krankenhäuser: Wie tief ein US-Datenkonzern in europäische Behörden vordrang und warum ein Ausstieg so schwerfällt
Die US-Softwarefirma Palantir Technologies ist tief in sensible Verwaltungsabläufe europäischer Staaten eingebettet. Das berichtet POLITICO in einer aktuellen Analyse. Von Polizeibehörden über Geheimdienste bis zu Gesundheitssystemen nutzen zahlreiche europäische Institutionen die Datenanalyse-Software des Unternehmens, das von Peter Thiel mitgegründet wurde.
Hintergrund
Palantir wurde 2003 mit Unterstützung der CIA gegründet und lieferte seine Software ursprünglich für US-Militär- und Geheimdiensteinsätze. In den vergangenen Jahren expandierte das Unternehmen stark nach Europa. Laut POLITICO setzen unter anderem britische Gesundheitsbehörden, deutsche Polizeidienststellen und weitere europäische Institutionen auf Palantir-Systeme zur Datenauswertung.
Die Software ermöglicht es, große Mengen unterschiedlicher Datenquellen zusammenzuführen und auszuwerten, etwa für die Kriminalitätsbekämpfung oder Patientenverwaltung. Genau diese Funktionalität macht die Systeme aus Sicht europäischer Institutionen einerseits attraktiv, andererseits schwer ersetzbar.
Neue Fakten
Medienberichten zufolge gestaltet sich ein Wechsel zu alternativen Anbietern für viele Behörden als äußerst aufwändig. Die Systeme sind laut POLITICO oft so tief in bestehende Arbeitsabläufe integriert, dass ein Anbieterwechsel hohe Kosten und technische Risiken mit sich bringen würde. Europäische Alternativen befinden sich laut dem Bericht noch im Aufbau und können den Funktionsumfang von Palantir bislang nicht vollständig ersetzen.
Die Analyse verweist darauf, dass mehrere europäische Regierungen inzwischen Initiativen gestartet haben, um technologische Abhängigkeiten von einzelnen außereuropäischen Anbietern zu verringern. Konkrete Zeitpläne für einen Ausstieg aus bestehenden Palantir-Verträgen nennt der Bericht laut POLITICO derzeit jedoch nicht.
Reaktionen
Öffentlich bekannt ist, dass Datenschutzorganisationen in mehreren europäischen Ländern die Nutzung von Palantir-Software durch Behörden seit Jahren kritisch begleiten, insbesondere im Bereich der Polizeiarbeit. Palantir selbst betont laut eigenen Angaben, dass die Software strengen Datenschutzvorgaben der jeweiligen Auftraggeber entspreche und ausschließlich im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben eingesetzt werde.
Vertreter europäischer Behörden, die POLITICO für den Bericht zitiert, verweisen auf den hohen praktischen Nutzen der Systeme im Arbeitsalltag, etwa bei der Bearbeitung komplexer Ermittlungsfälle. Gleichzeitig räumen mehrere der zitierten Stellen ein, dass die Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter aus strategischer Sicht ein Risiko darstellt.
Die Debatte um Palantir zeigt exemplarisch, wie europäische Institutionen zwischen praktischem Nutzen und struktureller Abhängigkeit von außereuropäischer Technologie abwägen müssen.
Für Länder wie Österreich, deren Behörden ähnliche Datenanalyse-Werkzeuge in Betracht ziehen oder nutzen, stellt sich dieselbe Grundfrage: wie viel digitale Souveränität ist bereit aufgegeben zu werden für kurzfristige Effizienzgewinne.
Eine schnelle Lösung ist laut den in dem Bericht zitierten Fachleuten nicht in Sicht, da europäische Alternativen technologisch noch aufholen müssen.
Quelle: POLITICO | Originalartikel