Konstyantyn Zhevago: Probleme im Firmenimperium des Oligarchen mit Konkursverfahren
Eine Pleitebank, eine mutmaßliche Bestechung des Obersten Richters und Gläubiger, die um Bergbau- und Pharmafirmen kämpfen. Der ukrainische Oligarch Konstantin Zhevago lebt in Frankreich und hat zunehmende Probleme mit seinem Firmenimperium. Photo: Plattform "Kommentarii"
Während er sich in Frankreich aufhält, kaufen Gläubiger Forderungen an seine frühere Bank „Finance & Credit“ auf und könnten über Konkursverfahren die Kontrolle über das Bergbaukombinat „Poltava GOK“ und die Pharmagruppe Arterium übernehmen. Das berichtete das ukrainische Portal „Komentarii“.
Gegen den ukrainischen Unternehmer Konstyantyn Zhevago laufen in der Ukraine mehrere Straf- und Zivilverfahren mit Forderungen in Milliardenhöhe.
Frankreich hat die Auslieferung Zhevagos an die Ukraine bisher abgelehnt.
Hintergrund
Konstantin Zhevago hielt 97,66 Prozent an der Bank „Finance & Credit“, die 2015 in Konkurs ging. Nach Darstellung des Staatlichen Ermittlungsbüros (DBR) bürgte die Bank für Kredite an von Zhevago kontrollierte Offshore-Firmen Ausländische Gläubiger schrieben danach 113 Millionen US-Dollar ab.
Weitere Mittel sollen über verbundene Unternehmen abgeflossen sein. Im Verfahren Nr. 62024000000000394 geht es um einen Schaden von 519,2 Millionen UAH, darunter Transaktionen über 17 Millionen Euro. Im März 2026 wurde Zhevago in Frankreich der Tatverdacht zugestellt, im April genehmigte ein ukrainisches Gericht Ermittlungen in Abwesenheit.
Bestechungsvorwurf
Ein zweiter Komplex betrifft das Oberste Gericht der Ukraine. Laut dem Nationalen Antikorruptionsbüro (NABU) bot Zhevago dem ehemaligen Vorsitzenden des Höchtsgerichts, Vsevolod Kniaziev, über Mittelsmänner 2,7 Millionen US-Dollar für eine Entscheidung über Aktien des Bergbaukombinats Poltawa an. Am 19. April 2023 urteilte das Höchstgericht in dieser Sache zugunsten von Zhevagos Konzern Ferrexpo.
Zwei Jahre später, am 15. Mai 2026 wurde, Vsevolod Kniaziev festgenommen. Im Juni 2026 wurde er zu fünf Jahren Haft und der Entziehung seines gesamten Vermögens.
Diese Anklage gegen Zhevago verhandelt das Oberste Antikorruptionsgericht (Verfahren Nr. 52023000000000460, Fall Nr. 991/8191/26). Es handelt sich um Anklagevorwürfe, nicht um gerichtlich festgestellte Tatsachen.
Neue Entwicklungen rund um das Beegbaukombinat Poltava
Der Einlagensicherungsfonds fordert 46 Milliarden UAH (Fall Nr. 910/268/23). Gepfändet sind 50,3 Prozent der Gesellschaftsrechte am Bergbaukombinat Poltava sowie an den Kombinaten Jeristowo und Bilaniwka. Der Umsatz des Kombinats Poltava sank zwischen 2021 und 2025 von 44,2 auf 20,8 Milliarden Hrywnja.
Am 24. Februar 2026 wurde das Konkursverfahren gegen das Kombinat Poltawa eröffnet (Fall Nr. 917/101/24).
Antragsteller war die Maxi Capital Group, die Forderungen in der Höhe von 4,7 Milliarden UAH anmeldete – aus Bankbürgschaften, Verwalter ist Dmytro Kutscherjawyj. Miteigentümer des Gläubigers sind Leonid Krjutschkow (25 Prozent), Wassyl Kotynkewytsch, Serhij Hratschow und Serhij Hluchenkyj.
Krjutschkow taucht auch im Streit um Arterium auf. Die Firma Sky-Development kaufte bei der Auktion GL18N027381 Bankforderungen mit einem Nennwert von 2,436 Milliarden Hrywnja für 243,67 Millionen, zehn Prozent des Startpreises. Finanziert wurde der Kauf von der zyprischen ORUM (CYPRUS) LIMITED.
Danach beantragte Sky-Development den Konkurs von Kyjiwmedpreparat mit Forderungen von 110,11 Millionen UAH (Fall Nr. 910/5245/25). Im Fall Nr. 914/1317/25 genehmigte ein Gericht die Sanierung von Halytschfarm: 1,39 Milliarden UAH Schulden werden in 154,44 Millionen Aktien umgewandelt, das entspricht 91,25 Prozent des Werks. Beteiligt sind Arterium LTD und Farmed, gesondert wurden Forderungen von 338,56 Millionen UAH angemeldet.
Inzwischen steht Sky-Development selbst offenbar vor dem Konkurs. Gesellschafter sind ORUM (33,4 Prozent), Kotynkewytsch (33,3 Prozent), STAR (16,7 Prozent) und Sawod-Invest (16,6 Prozent), wirtschaftlich Berechtigte sind Krjutschkow und Kotynkewytsch. Im Verfahren Nr. 12026000000001226 ermitteln die Behörden wegen mutmaßlicher Übernahme der Unternehmenskontrolle. Am 26. August verlangte ORUM 220,67 Millionen UAH und leitete das Konkursverfahren Nr. 910/9675/26 ein,
Für die Immobilien von Kyjiwmedpreparat interessieren sich zwei Firmen von Inna Prylepko. Suchasna Metalurhijna bot 280,114 Millionen UAH für das Objekt Saksahanskoho-Straße 139 in Kyiv, Perform Standart nahm an der Versteigerung teil. Im selben Verfahren (Nr. 910/5245/25, 910/6708/26) sprach ein Gericht erster Instanz 311,94 Millionen UAH gegen das slowenische Unternehmen Marifarm zu und hob den Lizenzvertrag für das Präparat Gabana auf.
Reaktionen
Die Agentur für Vermögensverwaltung ARMA übergab beschlagnahmte Immobilien Zhevagos an Optima Resurs, 81 Prozent des Gewinns gehen an den Staat. Der Lkw-Hersteller AwtoKrAS kam unter staatliche Kontrolle, um den Fußballklub Worskla läuft ein Konflikt wegen der Firma Neomineraly. Gegen Zhevago gelten Sanktionen des Nationalen Sicherheitsrats (Nr. 81/2025).
Ein Spiel auf Zeit
Ferrexpo, an der Londoner Börse notiert, erhielt in der Zwischenzeit eine Kapitalerhöhung von 100 Millionen US-Dollar. 50 Millionen davon brachte der Agrarunternehmer Andrij Verevskyi ein, rund 40 Millionen die Zhevago-Struktur Fevamotinico, die bisher 49,27 Prozent hielt. Verevskyi rechnet mit 21,4 Prozent der Aktien.
Wie Österreich in den Fällen Tupytskyi und Bachmatjuk hat mit Frankreich ein weiterer EU-Staat eine Auslieferung an die Ukraine abgelehnt. Die Begründung der französischen Entscheidung ist in offenen Quellen nicht bekannt. Für die Verfahren in Kyiv bedeutet das, dass sie gegen einen abwesenden Angeklagten geführt werden, während Gläubiger und Verwalter die Vermögenswerte bereits neu verteilen.
Für Konstantyn Zhevago und alle im Artikel genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung.
Mehr zum Thema: Der Fall Zhevago, Teil 1: Das Netzwerk des Oligarchen · Teil 2: Fokus auf Österreich · Ferrexpo: Andrii Verevskyi beteiligt sich
Quelle: Ukrainisches Portal „Komentarii“